„Ich möchte nicht mehr jeden Tag auf den Wecker kucken müssen“, seufzt Arnold Pothmann. Ausgesprochen nachvollziehbar, und dennoch erst einmal überraschend: Schließlich ist der ehrenamtliche Versichertenberater kaum aus dem gesellschaftlichen Leben Huckardes wegzudenken. Honoriert wurden dem bald 73-Jährigen seine Verdienste u. a. schon durch die Verleihung des „Huckarder Goldstücks“ oder sogar die Überreichung der Bundesverdienstmedaille aus den Händen des Bundespräsidenten. Und doch stimmt’s. Auf Arnold Pothmann wartet Ende des Jahres quasi der ehrenamtliche Ruhestand.
Mindestens fünf Jahre lang, gibt der ehemalige Hansa-Betriebsrat zu Protokoll, habe er bereits auf dieser Entscheidung herumgekaut, und leicht sei sie ihm auch jetzt nicht gefallen. Aber ein wenig lassen die Kräfte halt nach, und zudem ist es keineswegs so, dass der Huckarder jenseits seines langjährigen Ehrenamts ein Typ fürs Däumchen-drehen wäre. Ganz im Gegenteil: Chef der Siedlergemeinschaft, Vorsitzender eines Kegelclubs und immer wieder gern gebuchter Referent zu Fragen rings ums Rentenwesen – nach freien Tagen muss man in Arnold Pothmanns Kalender lange suchen. Als dann im vergangenen Sommer auch noch eine Knie-OP anstand und der 72-Jährige etliche Wochen benötigte, um buchstäblich wieder auf die Füße zu kommen, siegte am Ende wohl die Vernunft. Die im Übrigen auch immer wieder die Stimme seiner Frau hatte.
„Ja“, bestätigt der Versichertenberater, „das hat sie mir sicher schon tausendmal gesagt: Dass ich mir so langsam mal etwas mehr Zeit nehmen sollte.“ Und schließlich hat ihn auch seine eigene Tätigkeit über die Jahre immer wieder gelehrt, den Moment zu genießen. „Ich habe“, blickt Arnold Pothmann nachdenklich zurück, „nämlich auch immer mal wieder Anträge bearbeitet, deren Bescheid seinen Absender gar nicht mehr erreicht hat.“
Und so steht also für den 31.12. unwiderruflich die Ehrenamts-Rente an. Okay, plus Übergangszeit, denn noch bis Silvester läuft alles, wie man es in Huckarde und Umgebung seit 1993 gewohnt ist: Wer hinsichtlich seines Rentenantrags und der damit verbundenen Formalitäten am liebsten die weiße Fahne schwenken würde, meldet sich im Hause Pothmann oder während der Sprechstunde im Begegnungszentrum und trifft dort auf geballtes Fachwissen und die Erfahrung von über dreißig Beratungsjahren. Weitergegeben wird das eine wie das andere selbstverständlich unentgeltlich. „Darüber“, schmunzelt Arnold Pothmann, „schütteln die Leute einfach immer wieder den Kopf.“
Alle, deren Renteneintritt sich vor Ende Mai 2026 vollzieht, dürfen noch mit der Unterstützung des Huckarders rechnen. Trotzdem, ist der 72-Jährige zuversichtlich, wird das Plus an Freizeit in seinem Leben sofort zu Buche schlagen. Und damit u. a. die Möglichkeit schaffen, sich verstärkt um den eigenen Garten zu kümmern, sich häufiger an die Werkbank zu stellen oder „endlich mal wieder häufiger meinen Räucherofen anzuschmeißen“. Auch Reisen steht im Hause Pothmann selbstverständlich auf der Wunschliste, wenn auch „nicht mehr die ganz weiten Touren.“ Oder Musik-Events: „Da hab‘ ich ja das Glück, dass mir von Hardrock bis André Rieu alles Spaß macht“, gibt der Huckarder Einblick in seinen persönlichen Geschmack.
Eine Sache allerdings bleibt Arnold Pothmann auch über den Jahreswechsel ganz buchstäblich noch erhalten, obwohl er es sich anders wünschen würde – genauer genommen ist es mehr als ein halber Regalmeter von „Sachen“: „Es gibt so viele Leute, die ihre Unterlagen nie wieder bei mit abgeholt haben – sogar einige Reisepässe lagern in meinem Arbeitszimmer. Das sind aber alles amtliche Dokumente, die ich nicht wegschmeißen dürfte, selbst wenn ich wollte“, umreißt er das Problem.
Will man dem Versichertenberater zum „Karriereende“ also eine Freude machen, darf man sich gerne bei ihm melden und die eigenen Unterlagen mit nach Hause nehmen. Damit Huckardes „Ehrenamts-Institution“ tatsächlich sorgenfrei in den Ruhestand starten kann.

















