Dortmunds Revierpark steuert stramm auf sein Goldjubiläum zu. Das öffentliche Image der Grünanlage war im Laufe der fast fünf Jahrzehnte durchaus Veränderungen unterworfen – inzwischen allerdings sind die Zeiten, in denen etliche Park-Areale an „Lost places“ erinnerten, eindeutig vorbei. Auch den überwiegenden Teil der nahen Anwohner hat man bei dieser Entwicklung mitgenommen, an der Jens Röhmer – seit einigen Jahren alleiniger Leiter des Parks – einen wesentlichen Anteil haben dürfte. Seinen Job, sagt der 44-Jährige, geht er nach wie vor mit großer Begeisterung an. Auch, auf welche Weise bzw. an welchem Ort er „seinen Park“ am meisten genießen kann, verriet der gebürtige Hörder im Gespräch.
Hatten Sie als Jugendlicher aus Hörde den Revierpark in den 1990ern eigentlich schon in irgendeiner Weise auf dem Schirm?
Jens Röhmer: Das hatte ich nicht, muss ich ganz klar sagen. Wenn meine Eltern über das Thema „Park“ sprachen, war damit der Westfalenpark gemeint. Auch was meine damalige Schule, das Goethe-Gymnasium, betrifft: Tradition war, sich zum Ferienende beim Lichterfest im Westfalenpark zu treffen. Ein paar Jahre später war ich dann immer mal wieder hier im Schwimmbad- oder Saunabereich, aber den Park selbst habe ich kaum wahrgenommen.
Und was gibt, aus heutiger Sicht betrachtet, der Revierpark seiner Stadt? Was bekommt man gewissermaßen nur hier?
Jens Röhmer: Da fallen mir drei Punkte ein: Zum einen ist der „Pilina Beach“ ein sehr schöner Ort, den wir in dieser Art m. E. derzeit In Dortmund kein zweites Mal haben.
Zweitens werden wir inzwischen auch als Veranstalter größerer Events wahrgenommen: Mit einer tollen Infrastruktur, einer guten Anbindung, einem Team, was Spaß hat an der Umsetzung – und mit jeder Menge Grün. Und in dem, was wir hier anbieten, kann sich inzwischen über das Jahr gesehen jede bzw. jeder wiederfinden.
Drittens gilt das auch für den Park an sich: Ich möchte wetten, dass man hier mit der ganzen Familie einen guten Tag verbringen kann, weil es für alle etwas Interessantes zu unternehmen gibt. Das finden Sie in dieser Weise nicht an so vielen Standorten.
Gibt es umgekehrt denn noch Bereiche, wo das Profil des Revierparks nachgeschärft werden müsste?
Jens Röhmer: Von Seiten der Anwohner kommt mitunter die Mahnung, wir sollten den Park nicht überstrapazieren. Darauf achten wir allerdings sehr, sowohl was die Lautstärke als auch was die Beanspruchung der Natur angeht. Entsprechend suchen wir häufiger nach „kleinen und feinen“ Veranstaltungen und initiieren etwa kleine Märkte in der Eishalle. Wir haben z. B. auch eine Kooperation mit „Sanfte Touren“ geschlossen, die jetzt in geführten Rundgängen von der Geschichte des Parkgeländes erzählen wollen: Die wenigsten Dortmunder wissen wahrscheinlich, dass wir uns hier auf dem Gelände eines echten Ritterguts befinden: Der Plan ist also u. a., Formate zu finden, die den Park und die Anlieger nicht beanspruchen.
Noch mehr profilieren möchten wir uns auf dem Gebiet der Sportveranstaltungen, wo wir uns in diesem Jahr ja tatsächlich als Ausrichter der Beachvolleyball-DM gegen viele andere Konkurrenten wie München, Berlin, Düsseldorf auf uns durchgesetzt haben. Der dritte Punkt betrifft die Gesundheitsthemen. Als neue Betreiber der städt. Hallenbäder möchten wir das Element Wasser nutzen und unsere Reha-Sportkurse auch zunehmend in die anderen Standorte tragen.
Die öffentlichen Kassen allerdings waren schon mal voller. Müssen viele der Pläne nicht am Ende doch „bis auf Weiteres“ verschoben werden?
Jens Röhmer: Grundsätzlich betreffen uns kommunale Sparmaßnahmen natürlich genauso wie andere städt. Tochterunternehmen. Aber um bei den von mir eben genannten Plänen zu bleiben: Da tritt die Revierpark Wischlingen GmbH ja im Grunde so gut wie nie selbst als Veranstalterin auf. Wir müssten also auch bei finanziellen Straffungen unseren Pfad vermutlich nicht verlassen.
Wie stark ist der Revierpark mittlerweile in seiner Umgebung verankert? Bzw., anders gefragt: Ist es Ihnen ein Anliegen, dass die Menschen „Ihren Park“ als ein Stück Heimat wahrnehmen?
Jens Röhmer: Da kann ich sagen: Dass die Menschen den Park als Heimat wahrnehmen, empfinde ich sogar 100%ig als Auftrag. Die Eishalle ist hier das beste Beispiel: Da erlebe ich in meinem Alltag so viele Leute – in meinem Alter oder auch älter -, die mir von alten Erinnerungen erzählen, sei es die erste Freundin, eine Tour mit Freunden oder was auch immer. Außerdem bin ich jetzt Hundebesitzer und mit meinem Hund mehrfach täglich im Park unterwegs – eine bessere Art, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, gibt’s es kaum. Und auch da spielt es immer wieder eine Rolle, dass die Gäste bei uns ein Heimatgefühl finden möchten. Wir nehmen diesen Punkt aber nicht nur im Bezug auf unsere Gäste ernst: Im Vorfeld zu „Pollerwiesen“ etwa sind die Kollegen ganz klassisch von Tür zu Tür gegangen und haben die Nachbarschaft informiert: Bis wann die Veranstaltung geht, dass es etwas lauter werden kann usw. – verbunden mit der Einladung, sich auf einer Tour hinter die Kulissen Zusammenhänge zeigen zu lassen.
Gibt es für Sie als Chef des Parks eigentlich einen besonderen Wischlingen-Ort?
Jens Röhmer: Ja, da fällt mir etwas ein: Zum einen ist das Tiergehege für mich ein ruhiger, besonderer Ort, der auch dafür steht, welche Gestaltungsmöglichkeiten es in meinem Job gibt: Das empfinde ich als großes Geschenk. Und sicher ist auch der Strand besonders – ich erinnere mich nämlich noch an die Trostlosigkeit, die dort vorher herrschte. Gegen eine Umgestaltung gab es so einige Widerstände, man befürchtete z. B. Vandalismus usw. Aber heute wissen die Menschen diesen Ort sehr zu schätzen – und darüber entsteht auch so etwas wie gemeinschaftliches Verantwortungsgefühl, scheint mir.
Vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben!
















