Ihr Vater, als Beschäftigter bei Thyssen gestartet, war einst der allererste examinierte Kinderkrankenpfleger des Bundeslandes. Aus diesem Pioniergeist erwuchs später ein eigener Pflegedienst. Längst ist „Ovital“ ein bei den Menschen in weitem Umkreis bekannter Player, der mittlerweile u.a. auch eigene barrierefreie Senioren-Wohnungen im Angebot hat.
Nicht mehr allzu lange, dann wird Ralf Novy die Geschäfte endgültig in die Hände von Tochter Vivien übergeben. Und dass es der 32-Jährigen weder an Einsatzkraft noch an dem notwendigen Ehrgeiz für die anstehende Aufgabe fehlt, dürfte außer Frage stehen. Schon jetzt liegt die Leitung des Pflegedienstes in ihren Händen, und quasi nebenher hat die gebürtige Westricherin im Laufe der letzten Jahre noch eine weitere, gänzlich unterschiedliche Karriere gemacht. Davon erzählt sie im Interview ebenso wie von den Stückchen Heimat, für die ihr Herz besonders schlägt.
Ich würde dich als Ur-Huckarderin verbuchen. Stimmt das, oder liege ich damit falsch?
Vivien Novy: Jein. Inzwischen wohne ich in Bochum, aber geboren und aufgewachsen bin ich tatsächlich in Dortmund. Allerdings ein paar Kilometer weiter, in Westrich.
Und welche Aufgabe hast du heute in eurem Familienbetrieb inne bzw. wie ist die offizielle Bezeichnung?
Vivien Novy: Offiziell bin ich hier Fachtherapeutin für chronische Wunden und Pflegedienstleitung. Wobei das ja ein eher weit gefasster Begriff ist. Ich werde hier nun mal eines Tages die Nachfolgerin meines Vaters werden und übernehme daher sukzessive die Rolle einer Geschäftsführerin, damit mein Papa in seine wohlverdiente Rente gehen kann.
War dir dein beruflicher Werdegang denn mehr oder weniger schon seit jeher klar?
Vivien Novy: Ich war zumindest noch auf der Grundschule, als ich schon wusste, dass ich Ärztin werden wollte. Und Jahre später hatte ich den entsprechenden Studienplatz tatsächlich schon sicher, an der Ruhr-Uni in Bochum. Als ich dann zur Überbrückung eine Ausbildung in der Pflege begonnen habe, fehlte mir dort ein bisschen die theoretische Ebene: Also warum ich etwas mache. Im Medizinstudium wiederum ist es genau umgekehrt: Da wird mir zwar erklärt, warum ich etwas tue, aber die Praxis überlasse ich dann letztlich anderen. Im Krankenhaus etwa sehe ich die Leute im Durchschnitt drei Tage und weiß quasi nichts vom Patienten. Als niedergelassener Arzt begegne ich ihnen vielleicht einmal im Quartal. Dort hätte mir also wahrscheinlich das Menschliche, Praktizierende gefehlt. Und dann hat jemand von der Hochschule für Gesundheit in Bochum hier sich und einen neuen Studiengang vorgestellt, den „Bachelor of Science Pflege“ – und das klang spannend. Ja, und so habe ich durch reinen Zufall genau die Kombination gefunden, die ich mir gewünscht habe.
Fiel der endgültige Entschluss, irgendwann in die Fußstapfen deines Vaters zu treten, in dieser Zeit?
Vivien Novy: Genau – ich habe schon immer gesagt, sollte ich das eines Tages machen, dann möchte ich vorher ohne Ovital meinen Weg gegangen sein. Ich möchte eigene Erfahrungen gemacht haben und zur eigenständigen Persönlichkeit geworden sein, fern vom elterlichen Betrieb. Wobei mein Vater immer liebevoll von einem Wettbewerb spricht, den ich da aufrechterhalte. Meine Eltern finden, ich hätte in dieser Hinsicht doch schon alles erreicht, aber ich bin da selbstkritischer.
Aber womöglich ist es genau dieser Perfektionismus, der mich auch antreibt, nicht auf der Stelle zu stehen, sondern das Beste zu erkämpfen sowohl fürs Personal als auch für die Firma und für die Patienten, die wir versorgen.
Das bringt mich dann natürlich zu der Frage, ob es für dich oder den Betrieb irgendein ehrgeiziges Projekt gibt – etwas, das ihr mittelfristig unbedingt in die Tat umsetzen wollt?
Vivien Novy: Ich persönlich mache gerade meinen Master im Gesundheitsmanagement, das ist also wieder so ein Theorie-Praxis-Transfer-Studiengang. Für Ovital haben wir uns jetzt entschieden, uns mehr auf einen Standort – also Dortmund – zu konzentrieren. Hier in der Umgebung allerdings könnten wir uns gut vorstellen, innerhalb der nächsten zwei Jahre noch eine dritte oder vierte Wohngruppe ins Leben zu rufen: In Kirchlinde womöglich oder Huckarde, es kommen nämlich immer mal wieder Anfragen.
Aber vorher ist unser Ziel, den Standort Dortmund inkl. Wohngruppen und ambulanter Pflege weiter zu festigen und durch die spannenden Zeiten, die unsere Politik uns angedeiht, zu tragen.
Trotzdem wir auf deinen beruflichen Werdegang schon einen genaueren Blick geworfen haben, blieb ein beruflicher Aspekt noch völlig unerwähnt: Du bekleidest seit Kurzem einen Offiziersrang bei der Bundeswehr. Wie hat das denn seinen Anfang genommen und wo passt dieses Kapitel überhaupt noch in deine Biografie?
Vivien Novy: Der Grundgedanke stammt aus der Zeit, als ich das Medizinstudium anfangen wollte. Damals hatte ich mich auch bei der Bundeswehr beworben, aber dann gab es ja – wie gesagt – die Zusage vonseiten der Ruhr-Uni. Ungefähr 2020 hatte ich dann das Gefühl, selbst so wenig aktiv in der Pflege zu sein, dass ich mich womöglich in Bequemlichkeit oder Betriebsblindheit verliere. Und da war ich dann wieder Perfektionistin: Ich habe mich also gefragt: Was kann ich tun, um mir selbst, auf gut deutsch, einen Arschtritt zu verpassen.
So habe ich mich also bei der Bundeswehr erfolgreich den Einstellungstest absolviert und wurde direkt tags drauf telefonisch angefragt, ob ich mir das alles nicht innerhalb des Wehrdienstes vorstellen könne. Das konnte ich und habe mich für zwei Jahre verpflichtet: Wochentags war ich also in Rennerod im Westerwald, am Wochenende zu Hause. Wir hatten das natürlich vorher in der Familie gründlich besprochen, denn logischerweise war das für alle eine Herausforderung.
Die Firma hat das gewuppt, indem wir jemanden als stellvertretende Pflegedienstleitung eingestellt haben. Und ich habe halt noch zusätzlich zu meiner Bundeswehr – angemeldet! – im Nebenjob bei uns weitergemacht, sprich: Mit dem Laptop in der Kaserne gesessen.
Das klingt aber nach einem sehr vollen Wochenplan!
Vivien Novy: je nach Lehrgang waren das damals insgesamt 50 bis 60 Stunden die Woche – und in ruhigen Zeiten ca. 46.
Und womit lädtst du dann deine Batterien dann wieder auf?
Vivien Novy: Durch meine Familie und meine vier Kinder! In meiner Bundeswehr-Zeit war meine Zeit mit meinen Kindern dann also wirklich die pure „Quality Time“! Das lädt auch heute noch meine Batterien immer wieder auf.
Was macht für dich außerdem noch „Heimat“ aus? Woran hängt dein Herz in Huckarde und Umgebung besonders?
Vivian Novy: Das sind tatsächlich die Menschen, die Mentalität. Gerade hier in Huckarde kennt man sich einfach. Selbst wenn man sich seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, ist es, als ob man jeden Tag zusammensteht. Wir sind total direkt – und übrigens auch super im Aufnehmen von Menschen.
Gibt es zudem auch Dortmunder Lieblingsorte oder -events? Etwas, von dem du woanders womöglich besonders gerne erzählst?
Vivien Novy: Zum einen sind das eigentlich fast alle Zechen. In Westrich waren wir ja nicht weit entfernt von der Zeche Zollern mit all ihren Veranstaltungen, und das fand ich immer toll: Man geht da immer mit neuen Eindrücken raus. Und mein Lieblings-Event hier ist abgesehen vom schönsten Stadion und dem BVB tatsächlich das Oktoberfest in Wischlingen. Meine Großeltern sind nämlich vor vielen Jahren nach Schwangau gezogen, und da habe ich auch immer alle Bergfeste mitgemacht, mit diesen Alphornbläsern und so. Und dann habe ich irgendwann ein Dirndl gekriegt (lacht). Also musste ich hier halt Veranstaltungen finden, bei denen ich das auch tagen kann. Und da war das Wischlinger Oktoberfest perfekt – das ist ja, muss man wirklich sagen, vergleichbar mit einem einzelnen Wiesn-Festzelt. Und mittlerweile für mich auf jeden Fall zu einem „besonderen“ Stück Heimat geworden.
Vielen Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast!

















