Die Schneekönigin hat Kais Herz erkalten lassen, und Gerda ist losgezogen, um ihren besten Freund zu retten. Auf der Bühne nähern sich Spannung und Spektakel gerade ihrem Höhepunkt, im Publikum hingegen: Kein Mucks! Offensichtlich ist nicht nur die Titelfigur in der Lage, Herzen in ihren Bann zu ziehen – in Huckardes „Alter Schmiede“ allerdings muss dafür niemand seinen Gefühlen abschwören, ganz im Gegenteil.
Und so folgen, während die Theaterakteure ein Feuerwerk aus Farben, Melodien und Choreografien zünden, die Augenpaare nicht nur der jungen Gäste hochkonzentriert dieser modernen Fassung des legendären Märchens aus der Feder Hans Christian Andersens. Wobei Huckardes Theaterverein Heiterkeit das Geschehen selbstverständlich mit einer Menge schrulliger Charaktere und launiger Dialoge angereichert hat. Spannend bleibt’s trotzdem, schließlich steht nicht weniger als die Freundschaft und das Glück der beiden Hauptdarsteller auf dem Spiel.
Auf dem Weg zum Happy End zog die Bühnentruppe mal wieder sämtliche Register, und das heißt bei den Huckardern: Hier wird nicht nur live gespielt, sondern auch live gesungen. Dann die Kostüme: Mein lieber Schwan! Auch in Sachen „Special Effects“ hat sich die Theatertruppe etwas einfallen lassen, wie der „Sturz“ der Schneekönigin im künstlichen Schneegestöber eindrucksvoll zeigt. Vor allem aber ist offenkundig, wie viel Spaß hier alle daran haben, was sie tun. So kommt schlussendlich ausnahmslos jede Rolle selbstbewusst über die Rampe, liefern selbst die Kleinsten aus den Reihen der Bühnencrew einen rundum souveränen Auftritt hin.
Ehrensache, dass nach dem furiosen Finale auch der Ruf nach einer Zugabe nicht ungehört verhallt. Und Ehrensache, dass dabei ein weiteres Mal gemeinsam geschmettert wird, was das Zeug hält.
35 Schauspielerinnen und Schauspieler umfasst der TV Heiterkeit derzeit, von Nachwuchssorgen keine Spur: Kaum vorstellbar, dass sich hieran in absehbarer Zeit etwas ändern könnte. Für Wehmut sorgt höchstens, wie schnell sie dann wieder vorbei ist, die Zeit mit Huckardes buntem vorweihnachtlichen Bühnenspektakel. Aber schließlich ist nach der Show vor der Show – und kalte Herzen sind beim Huckarder Ensemble definitiv nicht zu befürchten.
Auch in ihrer Rolle als Schneekönigin laufen die Fäden bei Sandra Thäle zusammen – dort allerdings nicht zum Wohle der Mitmenschen. Im echten Leben bildet sie gemeinsam mit dem Kollegen Ralph Sollmann das Regie-Duo des TV Heiterkeit.
Wenige Tage nach dem letzten diesjährigen „Vorhang“ hat sie uns ein paar Fragen zur Huckarder Theatertruppe beantwortet:
Red.: Frau Thäle, woran liegt es, dass beim Huckarder Theaterverein die Nachwuchsabteilung derart boomt?
Sandra Thäle: Vieles sind tatsächlich vereinsinterne Kinder, die sind da also sozusagen reingewachsen – und bringen ihrerseits dann irgendwann womöglich noch einen Freund, eine Sportskollegin mit oder so. Und dann gibt es natürlich immer wieder Kinder, die uns gesehen haben und denen es gefallen hat: So spricht es sich wohl langsam rum, dass es eine schöne Sache ist, bei uns mitzumachen.
Red.: Braucht ihr denn aktuell noch weitere Kräfte? Oder gibt es einen Aufnahmestopp?
Sandra Thäle: Bei den Kindern sind wir gut aufgestellt, da geht aktuell leider nichts. Aber z. B. erwachsene, jugendliche Männer: Da fehlt uns manchmal noch der eine oder andere.
Red.: Was ist denn, so ganz grundsätzlich, euer Erfolgsrezept?
Sandra Thäle: Ich denke, wir sind einfach eine gute Gemeinschaft: Wir wissen, dass es nur in der Gesamtheit funktioniert. Und zum Glück haben wir eine ganz liebevolle erste Vorsitzende, die diesen Grundgedanken auf alle überträgt.
Red.: Gibt’s denn jenseits der Proben und Aufführungen der beiden jährlichen Stücke ein Vereinsleben?
Sandra Thäle: Doch, wir machen auch schon mal einen Ausflug im Herbst. Nicht regelmäßig jedes Jahr, halt wie wir es so hinkriegen. Dann machen wir regelmäßig zum Jahresabschluss ein Glühweintrinken, um uns nach dem Stück nochmal zu sammeln. In den letzten Jahren haben wir auch im Sommer etwas gemeinsam unternommen – da ist ja, was Proben angeht, immer eine längere Pause.
Red.: Welchen Raum nimmt denn der Theaterverein in Ihrem leben ein bzw. welche Rolle spielt er?
Sandra Thäle: Naja, erst kommt die Familie und dann kommt schon der Verein. Und selbst die Familie muss hin und wieder zurückstecken. Alle Freunde, alle Freundinnen, die ich habe, wissen zu den jeweiligen Zeiten im Jahr: Sandra hat “Theaterzeit“, da können wir uns montags oder donnerstags leider nicht verabreden. Manchmal ist es sehr intensiv, aber es ist genauso, wie ich es haben möchte.
Red.: Wie hat man sich bei euch die Momente, die Minuten nach dem letzten Vorhang des Jahres vorzustellen?
Sandra Thäle: Ach, dann sind wir alle ein bisschen traurig. Okay: Weihnachten steht vor der Tür, was ja grundsätzlich schön ist, aber trotzdem würden alle am liebsten abschließen, in einer Woche nochmal wiederkommen und wieder loslegen. Deswegen setzen wir uns auch montags nach der letzten Aufführung immer zusammen. Dann sind die Eindrücke noch frisch – was geklappt hat, was wir besser machen könnten –, und wir müssen uns unbedingt austauschen.
















