„Aquaponik“ ist ein echtes Nachhaltigkeits-Zauberwort. Aus gutem Grund: Das Pflanzenbeete und Fischtanks umfassende Konzept ist ein echtes Kreislaufsystem, in dem beide Komponenten die jeweils andere mit Nährstoffen versorgen.
Auf dem Gelände der Kokerei Hansa findet sich seit knapp drei Jahren eine ziemlich umfangreiche Anlage, die sogar obendrein als Forschungsprojekt dient. Und bei der ausdrücklich erwünscht ist, dass Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv mitmischen.
Ein Infoabend am 17. April in der Waschkaue der Kokerei versorgte die Anwesenden mit allen notwendigen fachlichen und organisatorischen Infos zu „Hansaponik“. Ab sofort werden nämlich Mitmach-Beete zum eigenen Bewirtschaften und Gemüseziehen zur Verfügung gestellt. Angesprochen fühlen dürfen sich nicht zuletzt Hobby-Gärtner*innen ohne eigenen Garten. Mindestens für die erste Saison ist der Spaß ganz und gar kostenlos, und mit der nötigen Sorgfalt sind die Hydrokultur-Beete sicherlich auch fachlich gut in den Griff zu bekommen. Starthilfe seitens des Orga-Teams gibt es nicht nur in Form bereits „angezogener“ Pflanzen, sondern auch immer wieder durch Workshops, die etwa bei Themen wie der Pflanzenaussaat, der richtigen Ernte oder dem Einsatz von Mess- und Sensortechnik bei der Aufzucht auf die Sprünge helfen.
Was von Seiten der Nutzer investiert werden muss, lässt sich bewältigen: Da die ganze Angelegenheit ja nun mal ein Wissenschaftsprojekt ist, werden von Zeit zu Zeit „Interviews“ mit den Beteiligten durchgeführt.
Angelaufen ist die Saison Mitte April und wird sich bis Oktober erstrecken. Insgesamt 16 Parzellen stehen für die Freizeit-Botaniker bereit. „Ist die Nachfrage größer, legen wir aber selbstverständlich auch eine Warteliste an“, versicherte Mit-Projektleiter Nils Rehkop, bevor sich die versammelte Gruppe den ersten direkten Eindruck von der Anlage machen durfte. Der sieht man auch so früh im Jahr an, dass sie von Menschen betrieben wird, dich sich ins Thema reinhängen.
Eine offene Frage mag dennoch bleiben – umso mehr, wo doch die Begriffe Aquaponik und Nachhaltigkeit so eng verzahnt sind: Spielt es bei Aquaponik-Anlagen eine Rolle, wie es den Fischen geht? Schließlich lehnt der moderne Mensch in unserem Teil der Welt „funktionale“ Tierhaltung, etwa bei Hühnern, Legebatterien inzwischen mit großer Selbstverständlichkeit ab. Nils Rehkop legt in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, die Wasserqualität in den Tanks werde ständig überprüft und sei auch vom Veterinäramt begutachtet worden. „Der pH-Wert muss stimmen“, führt er aus, „der Nitritwert muss stimmen und der EC-Wert darf nicht zu hoch sein“. Wie aber sieht’s jenseits der Messdaten aus? Rückzugsorte schaffe man den Tieren in Form von grünen Rohren. Noch nicht abschließend entschieden allerdings ist, wie lange die Fische in den Tanks ihre Kreise zu ziehen haben. Die beiden möglichen Varianten weichen erheblich voneinander ab: Entscheidet man sich für die Aufzucht vor Ort, geht’s um einen Zeitraum von anderthalb bis zwei Jahren. Kauft man hingegen den ausgewachsenen Fisch hinzu, sind es lediglich vier bis sechs Wochen. „Im Moment“, erläutert Nils Rehkop, „machen wir es sowohl als auch“. Gleichzeitig äußert der Projektleiter allerdings Bedenken, ob sich die Zukauf-Variante wirtschaftlich tragen könne. Aquaponik mag also eine faszinierende Grundidee sein – frei von Herausforderungen ist sie augenscheinlich nicht.

















