Als sich Bertha Benz, die Ehefrau des Automobilerfinders Carl Benz, im August 1888 mit dem Auto auf den Weg von Mannheim nach Pforzheim machte, wurde diese erste Fernfahrt der Automobilgeschichte nicht nur zu einer Pioniertat, die letzte Bedenken gegenüber der Tauglichkeit der Fahrzeuge widerlegte, sie zeigte auch auf, dass die Beschaffung von Treibstoff die Fahrzeugführer in jenen Jahren vor ernste Schwierigkeiten stellte. Hätte die tapfere Dame nicht in der Stadt-Apotheke von Wiesloch „Ligroin“, besser bekannt als „Waschbenzin“, kaufen können, wäre die Reise schon bei Heidelberg zu Ende gewesen. Ein Netz zur Versorgung mit Treibstoffen gab es damals noch nicht und so war man noch lange Zeit auf die Versorgung mit Benzin in den Apotheken angewiesen. Im wahrsten Sinne waren die Apotheken die Tankstellen der automobilen Frühzeit.
Die Situation in Huckarde
In Huckarde steuerte man seit 1897 dagegen, als man eine Fabrik zur Herstellung von Benzol aus Steinkohlenteer in Betrieb nahm. Benzol ist die Stammverbindung aromatischer Kohlenwasserstoffe und diese eignen sich zur Herstellung von Kraftstoffen. Ein Gemisch aus sechs Teilen Benzin und vier Teilen Benzol wurde seit 1924 unter dem Namen BV-Aral vermarktet. Als Mitglied des Benzol-Verbandes wurden die Ruhr-Zechen so zum Zulieferer des größten Kraftstoffherstellers im deutschsprachigen Raum. Im direkten Umfeld der Zeche Hansa wurde aber bereits um 1915 eine Tankstelle eröffnet. Sie soll die zweite öffentliche Tankmöglichkeit in Dortmund gewesen sein. Doch bis zur Einrichtung einer Tankstelle, so wie wir sie heute kennen, sollte es in Huckarde noch mehr als zwanzig Jahre dauern.
Die Leute waren gespannt, wie die neue „Rhein-Preußen-Station“ an der Ecke der Huckarder Straße aussehen würde. Was da im Jahr 1938 eröffnet wurde, war eine moderne Tankstelle mit Zapfsäulen, Ölkabinett, Hebebühne und Garagenhof. Nicht mehr nur die ölverschmierten Lastwagenlenker und wenigen Motorradfahrer würden hier den Benzindurst ihrer Fahrzeuge stillen, die Zeiten hatten sich geändert und immer mehr gutgekleidete Fahrzeugführer verlangten aufmerksamen Service und fühlten sich nun in der aufgeräumten und sauber gefliesten Atmosphäre wohl.
Im benachbarten Deusen war im Jahr 1939 eine Tankstation der amerikanischen Firma Standard Oil in Betrieb. Auch dort konnten die Kunden an mehreren Zapfsäulen zwischen verschiedenen Treibstoffqualitäten wählen. Doch bald darauf stoppten der beginnende Krieg und der Treibstoffhunger der Wehrmacht den regulären Kraftstoffkonsum.
Markenvielfalt
In den Jahren des Wirtschaftswunders explodierte dann die Zahl der Führerscheinbesitzer, die der Autos und damit auch die der Tankstellen. Im Huckarder Raum dominierten nun die internationalen Ölkonzerne. Aus den Standard Oil Stationen wurde 1950 die Marke „SO“, sprich „Esso“. Und auf den Erfolg dieser lautmalerischen Handelsmarke folgten weitere niederländische und britische Marken.
In Huckarde entstanden die Esso-Station am Ortseingang, die Shell-, später Agip-, dann Dea-Station an der Huckarder Straße in der Dorfmitte, es folgten eine kleine Shell-Tankstelle an der damaligen Mengeder Straße, unweit der Kokerei, und schließlich in Richtung Wischlingen eine BP-Tankstelle und eine Aral-Station an der Rahmer Straße.
Der Konkurrenzdruck veranlasste die Tankwarte damals noch zu kundenfreundlichen Serviceleistungen, wie dem Prüfen des Öl- und des Kühlwasserstandes. Auf Wunsch wurden die Fahrzeugscheiben gesäubert oder der Luftdruck der Autoreifen geprüft. Auch der Nachwuchs wurde bespaßt und die Kleinen erhielten Sammelbilder fürs Esso-Album, Miniatur-Kennzeichen aus Blech bei BP oder Sammelmünzen bei Shell. Letztere wurden akribisch gesammelt und komplettierten ganze Sammelserien über Auto-Oldtimer, Luft- und Raumfahrtpioniere oder zur deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM.

















