„Die Huckarder Kirmes feiert in diesem Jahr das Fest ihres 100-jährigen Bestehens“, schrieb eine Zeitung im Mai des Jahres 1926 und erinnerte damit an den Ursprung der Pfingstkirmes im Jahr 1826. Was wissen wir über das Entstehen des wichtigsten Festes im Huckarder Jahreskalender?
Quellenlage
Die mehrtägigen Kirmesveranstaltungen werden allesamt auf kirchliche Festivitäten zurückgeführt und ihr erstes Auftreten wird zeitlich im Mittelalter vermutet. Schriftliche Ersterwähnungen oder urkundliche Belege für diese Datierungen gibt es jedoch meist nicht. Ihr Entstehen wird daher von Ortshistorikern gerne mit der Ersterwähnung von Kirchenbauten oder mit Berichten über Grenzgänge verbunden. Auch die früheren Ortshistoriker in Huckarde suchten nach Anhaltspunkten, die halfen, den Beginn der festlichen Aktivitäten festzulegen. Der bekannte Autor des Buches „1100 Jahre Huckarde“ August Wittkamp beklagte, dass es schwierig sei, den Zeitpunkt der ersten Pfingstprozession und der Pfingstkirmes als deren weltlicher Entsprechung „deren wahrer Ursprung sich im Dunkel verloren hatte“ festzumachen. Er sah in den, erstmals im Jahr 1415 erwähnten, Grenzumgängen einen möglichen Ursprung der Pfingstprozession und in diesem Brauch einen möglichen Anlass für Kirmesfeierlichkeiten. Er gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass die örtliche Überlieferung, die Verschonung der Dorfgemeinschaft vor den Folgen einer Pestepidemie zum Anlass der Prozession macht. Zu datieren wäre dann aber der Beginn der Pfingstprozession frühestens auf das Jahr 1508 oder noch wahrscheinlicher auf das Jahr 1636. Wenn auch in den Medien regelmäßig von einer „mindestens 350-jährigen Huckarder Kirmestradition“ berichtet wird, so fällt es jedoch schwer, Belege für diese Angaben zu finden. Tatsächlich tauchen erst in Zeitungsberichten aus dem Jahr 1814 Angaben zum Kirmesgeschehen in Huckarde auf. Dabei ging es aber um einen Kirmesball beim Wirt Sträter (Domschänke) am 4. September 1814 und damit nicht um eine Kirmes zu Pfingsten.

„Pingsthuekke“
Von einer Pfingstkirmes in Huckarde wurde erst im Jahr 1826 berichtet. Dieses Datum würde also den Beginn eines, sicher noch bescheidenen, Rummels in Huckarde festschreiben. Festliche Bälle in den Huckarder Wirtshäusern, Musik und Tanz, Viehschauen und dazu ein übersichtliches Angebot der Krämer und Honigkuchenbäcker in hölzernen Verkaufsbuden, die gegen eine Standgebühr von zwei Silbergroschen aufgestellt werden durften, könnten den kleinen Jahrmarkt beschreiben.
Ein Blick in die Zeit um 1826
Mit der Neuorientierung des Ortes im preußischen Staatsgefüge ging auch ein gesteigertes Selbstwertgefühl einher. Die Eingliederung in den Regierungsbezirk Arnsberg und damit in die Diözese Paderborn 1821 und die erste genaue Kartierung der Ortschaft im Ur-Kataster von 1826 schufen ein gestärktes „Wir-Gefühl“ in der bäuerlichen Bevölkerung. Selbst eine, durch die bischöfliche Behörde angeordnete Abschaffung der Pfingstprozession zugunsten einer Aufwertung der Fronleichnams-Prozession im Jahr 1829 tat der Tradition der örtlichen Feierlichkeiten rund um das Pfingstfest in Huckarde keinen Abbruch. Schon im Juni 1830 ließ der Wirt Heinrich Fiege in der Zeitung verkünden: „Dem Wunsch Mehrerer zu entsprechen, habe ich mich entschlossen, am 13. d. Monats, als dem hiesigen Prozessionstag, einen Ball zu veranstalten, wozu hierdurch ergebenst eingeladen wird.“ In der Huckarder Bevölkerung setzte sich die Fronleichnams-Prozession ohnehin nicht so recht durch und man kehrte im Jahr 1840 wieder zum Brauch der Pfingst-Prozession zurück.
Die Pfingstkirmes wurde amtlich besiegelt
Die Huckarder hielten am Bewährtem fest und bereits im Jahr 1837 konnte man einer Zeitungsanzeige entnehmen, der Gastwirt Fiege würde „wie früher, mit gut besetzter Tanzmusik einen Ball veranstalten.“ Alljährlich trafen sich die Einheimischen und ihre auswärtigen Gäste in dem aufwändig dekorierten Örtchen mit seinen gerade einmal 600 Einwohnern. Blumenarrangements, Girlanden und Fahnen schmückten die Straßen und Plätze. Zum Pfingstfest zog es die Menschen in Massen nach Huckarde und gerade die jungen Leute aus Dortmund überquerten gerne die Emscher, um in den Genuss des Huckarder Altbieres zu kommen oder besser noch des Schlehen-Bieres, das die örtlichen Braumeister zum Fest anboten. Auch der regional beliebte „Maitrunk“ mit Waldmeister stand hoch im Kurs, nirgendwo sonst waren derartige Köstlichkeiten zu finden, außer in Huckarde. Da nahm man selbst die üblichen Keilereien in Kauf, die die ständigen Rivalitäten begleiteten und bei denen die Dortmunder nicht selten Hals über Kopf in ihre Heimat flüchten mussten. Wohl auch deshalb schien es ratsam zu sein, sich ein weiteres Fortbestehen der Pfingstkirmes im Zuge der Eingemeindungsverhandlungen mit der Stadt Dortmund 1914 vertraglich zuzusichern zu lassen.
Auf und ab
Nicht nur die Eingemeindung, auch der dadurch bedingte Anschluss an das Netz der Dortmunder Straßenbahn 1916 hätten dem vermehrten Besuch eigentlich guttun müssen, doch die Wirren des Ersten Weltkriegs (1914-18) ließen ein unbeschwertes Kirmesvergnügen nicht zu. Bis zum 100jährigen Jubiläum der Kirmes 1926 hatten sich die Verhältnisse allerdings soweit erholt, dass der Rummel „in größerem Maßstabe“ stattfinden konnte. In den folgenden Jahren setzten sich die „Kieler“-Sprotten als typische Lieblingsspeise der Huckarde Kirmesbesucher durch und diese überstanden selbst die folgenden schweren Zeiten von Krieg und Wiederaufbau. Wie schon nach dem 1. Weltkrieg hielten auch die Schausteller, die sich seit 1897 in der Schaustellervereinigung „Rothe Erde“ zusammengeschlossen hatten, dem Huckarder Traditionsfest weiterhin die Treue.
Heute kann die Pfingstkirmes, auch nach mancherlei Hindernissen und weiteren organisatorischen Veränderungen, wie der Einbeziehung von Vereinsständen in den 1970er Jahren, dem Umzug in die Dorfmitte 1989, den wetterbedingten Einschränkungen 2013/14, dem Verzicht auf den traditionellen Kehraus am Dienstag seit 2018 und den Corona-bedingten Absagen 2020/21 weiterhin die Freunde der Kirmes mit ihren Fahrgeschäften, Imbissständen und ihrem Höhenfeuerwerk anziehen.

















