In einem Fachwerk-Ort, wie im früheren Bauerndorf Huckarde, gab es wohl keine größere Gefahr als eine Feuersbrunst. Das Feuer konnte sich schnell ausbreiten und übergreifen auf die vielen Wirtschaftsgebäude, die hölzernen Ställe und Scheunen. Gefährdet waren dabei auch die sorgsam gehüteten Vorräte an Heu, Stroh und Brennholz und letztlich stand die ganze bäuerliche Welt der wenigen Bewohner auf dem Spiel.
Wirklich sicher waren alle 13 Bauernfamilien und auch die wenigen Kötter in Huckarde nicht, auch nicht Theodor Heinrich Regenbogen, der Huckardes größtes Gut, schlicht „Regenbogen-Hof“ genannt, sein Eigen nennen konnte. Jedermann trachtete deshalb danach, Brände zu vermeiden.
Schicksalsschlag
Doch dann, am 7. März 1825, sollte das Unglück passieren. Eine Inschrift auf dem Querbalken über dem Eingang des wiedererrichteten Regenbogen-Hofes verkündete den folgenden Generationen, was damals geschehen war:
1825, den 7ten März
In Abwesenheit beim Sechserglockenton
loderte hoch die Flamme schon
und verzehrte neun Gebäude
viel Gerätschaft und Getreide
O trauriger Anblick!
Bei der großen Feuersbrunst wurde der Hof völlig zerstört, sämtliche Wirtschaftsgebäude und sogar wesentliche Teile des Viehbestands waren verloren gegangen. Auch Teile des nahliegenden Travermann-Hofes wurden ein Raub der Flammen. Ein solches Schadfeuer hatte Huckarde noch nie erlebt.
Wiederaufbau
Angesichts des immensen Schadens, der im Laufe der Feuersbrunst entstanden war, beschloss man, den Neubau des Gutshofs in Ziegelbauweise zu errichten. Auch, wenn es in Huckarde, abgesehen vom örtlichen Gotteshaus, der St. Urbanus Kirche, die in schwerem Sandstein aufgemauert worden war, niemals ein rein steinernes Gebäude gegeben hatte, war nun eine neue Zeit angebrochen. Ein Backsteinbau sollte entstehen, massiv und vermeintlich schlechter entflammbar. Die Wiederaufbauarbeiten zogen sich bis in das Jahr 1826 hin. Auf dem Gartengelände des einstigen Travermann-Hofes, den Regenbogens Gattin Catharina Margarethe Regenbogen geb. Travermann, mit in die Ehe gebracht hatte und von dem nur Teile des Wohngebäudes das Flammenmeer überstanden hatten, errichteten Lütticher Ziegelbrenner einen Brennofen, in dem die 300.000 Ziegel entstanden, die für den Wiederaufbau benötigt wurden. Unter diesen Ziegeln blieb ein spezielles, ja geradezu pikantes Puzzlestück lange Zeit unentdeckt. Denn einer der bei der Herstellung der handgeformten Dachziegel beschäftigten Handwerker hatte wohl die Absicht, dem Bauherrn eine mehrdeutige Botschaft zu hinterlassen. Und was er dabei in den noch feuchten Ton ritzte, lässt noch heute manchen Zeitgenossen erröten.
Fundstück
Erst als die schweren alliierten Bombardements in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs den Boden in Huckarde erbeben ließen und die Druckwellen der Explosionen die Dachpfannen von den Gebäuden abdeckten, machten aufmerksame Mitglieder des Aufräumtrupps unter den Trümmern einen kuriosen Fund. Der Finder und sein Sohn, der spätere Huckarder Markthändler Wilhelm Ferdinand Falkenrich, bewahrten den ungewöhnlichen Fund über 70 Jahre in einer dunklen Kellerecke auf. Da beiden Familienmitgliedern das Erhalten von aussagekräftigen Zeitdokumenten am Herz lagt, blieb so ein weiterer interessanter Beleg aus der langen Huckarder Ortsgeschichte erhalten. Auf Bitten des Vorsitzenden des Historischen Vereins Huckarde, Dr. Günter Spranke, übereignete der Nachfahre Dirk Falkenrich den Dachziegel in die Obhut von Dieter Eichmann, der das Archiv der Geschichtsfreunde betreut. Im Innenraum der Huckarder Polizeiwache hat die ehemalige Eingangstür des Regenbogenhofs als weitere Erinnerung an das einstige Bauernhaus die Zeiten überdauert.

















