Im Jahr 2024 konnte der Dortmunder Stadthafen, der gleichsam der Endpunkt des Dortmund-Ems-Kanals ist, auf sein 125. Jubiläum zurückblicken. Obwohl Huckarde eng mit dieser Wasserstraße und damit auch mit dem größten Kanalhafen Europas verknüpft ist, habe ich das wichtige Datum nur kurz erwähnt. Heute möchte ich genauer auf die Geschichte dieses logistischen Knotenpunkts eingehen.
Dortmund wurde zu einem Logistik-Zentrum
Gut 50 Jahre nach der Anbindung der Region an das Schienennetz über die Cöln-Mindener-Eisenbahn im Jahr 1847 sollte unsere Region in den 1890er Jahren erneut zu einem verkehrstechnischen Hotspot werden und die lokale Politik glaubte darin einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Weiterentwicklung des östlichen Ruhrgebiets zu erkennen. Die Dortmunder und damit auch die Huckarder Bevölkerung war nach den finanziellen Rückschlägen der Gründerkrise um 1873 zwar nicht mehr so blauäugig und fortschrittsgläubig in Dingen der kostspieligen Investitionen und der privaten Geldanlage wie direkt nach der Euphorie der Jahre nach der Reichsgründung 1871. Damals war auch die Zeche Hansa in Konkurs gegangen und viele Kleinanleger hatten ihre Ersparnisse verloren. Doch kurz vor der Jahrhundertwende war man wieder optimistisch und so wollte sich niemand, auch nicht in der Huckarder Gemeindevertretung, dem Wunsch der Dortmunder Stadtverwaltung verschließen und stimmte im Jahr 1899 für den Antrag zur Abtretung von Huckarder Gelände zur Anlage des, aus transporttechnischen Gründen unerlässlichen, Hafenbahnhofs.
Somit saß Huckarde, im wahrsten Sinne des Wortes, „mit im Boot“ bei diesem für den Export heimischer Kohle nach Norddeutschland und Holland wichtigen, wie für die preisgünstige Einfuhr von schwedischen Eisenerzen vorteilhaften Zukunftsprojekt. Schließlich war die Huckarder Zeche Hansa nach der Übernahme durch die Gelsenkirchener Bergwerks AG zu einem profitablen Bergbau-Unternehmen geworden und ständig auf der Suche nach Abnehmern für ihr hochwertiges Heizmaterial.

Der Kanal entsteht
Schon seit 1892 hatte man begonnen, einen Kanal durch die an natürlichen Erhöhungen arme Landschaft Westfalens, Niedersachsens und der Küstenregion zu graben und somit an dem ersten großen Kanalbauprojekt im kaiserlichen Deutschland mitzuwirken. Dabei halfen auch viele sogenannte Fremdarbeiter, also Gastarbeiter als Fachkräfte auf verschiedenen Arbeitsfeldern, die der örtlichen Bevölkerung nicht so vertraut waren. Diese Menschen kamen vor allem aus den Niederlanden und aus Italien und brachten Kenntnisse auf den Gebieten des Kanalbaus, der Betonarbeiten oder des Straßenbaus in unsere Region. Auch Arbeitskräfte aus Norddeutschland, etwa aus Friesland, waren unter den 4000 Arbeitern, die beim Bau der 223 km langen Kanalstrecke halfen.
Das Schiffshebewerk bei Henrichenburg ermöglichte es, den deutlichen Höhenunterschied einer Geländestufe von 14 Metern in der Gegend um Waltrop zu überwinden und direkt bis in eine der führenden Industriemetropolen des Ruhrgebiets zu gelangen. Nachdem der Frachter „Dortmund“ bereits am 9. März 1899 seine Ladung im Dortmunder Hafen löschen konnte, sollte es nicht mehr lange bis zur offiziellen Inbetriebnahme dauern. Als der Deutsche Kaiser Wilhelm II. am 11. August 1899 das Schiffshebewerk und darauf den Stadthafen feierlich einweihte, war er beeindruckt und rief stolz „Bravo!“
Durch die Überlassung Huckarder Geländeflächen wurde es bereits um 1900 möglich, im Umkreis des Hafens rund 20 km Gleisanlagen anzulegen und ausgedehnte Rangierflächen zum Umladen auf die unzähligen Eisenbahnwagons zu schaffen. Im Jahr 2024 wurden als Erinnerung an die Frühzeit des Hafens und rechtzeitig zum Jubiläum ein Portalkran von 1906 wiederaufgebaut und dieser bietet durch seine Position im Bereich der Gleisanlagen entlang des Hafenbeckens die Möglichkeit einen authentischen Eindruck der damaligen Arbeitswelt zu bekommen.


















