Der „Huckarder Weg“: Unisono betonen SPD, CDU und Grüne in der örtlichen BV ihr Interesse an Zusammenarbeit und pragmatischen Lösungen. Der beschworenen Harmonie zum Trotz knallte es vor einigen Jahren ordentlich, als man bei der mit Stimmen vonseiten der Union und den Grünen zustande gekommenen Wahl von Peter Spineux zum Bürgermeister plötzlich nicht mehr am selben Strang zog. In dieser Hinsicht einigte man sich diesmal auf eine salomonische Lösung: Noch für zweieinhalb weitere Jahre bleibt Peter Spineux in Huckarde im Sattel, um das Amt anschließend an den sozialdemokratischen BV-Kollegen Stefan Keller zu übergeben. Inhaltlich verständigten die drei Fraktionen auf Eck- und Schwerpunkte. Dass sich die Prioritätenlisten dennoch unterscheiden, machen die Stellungnahmen von CDU-Fraktionssprecherin Claudia Brückel und Ulla Hawighorst, 2. stellv. Bürgermeisterin in Diensten der Grünen, deutlich.
Einigkeit besteht bei den beiden in erster Linie beim Stichwort „Schule“: Hier hat der Stadtbezirk mit Widey-, Gilden- und Grafen-Grundschule aktuell gleich drei Sanierungsfälle auf seinem Gebiet, deren Situationen allerdings dennoch ganz unterschiedlich gelagert sind: Den drängendsten Handlungsbedarf gibt es an der Gilden-Grundschule, deren Zukunft jedoch inzwischen in trockenen Tüchern ist. Hier möchte man nach Auskunft von Claudia Brückel vor allem ein Auge darauf haben, dass der angestoßene Prozess in der versprochenen Weise fortgeführt wird.
Bei Deusens unter Raumnot leidenden Grafen-Grundschule wiederum will man den eigenen Einfluss nach Möglichkeit geltend machen, um einem Neubau den Weg zu bereiten. Wir bleiben in Deusen: Auch Erhalt bzw. Wiedereröffnung des Freibades Hardenberg ist für Brückel wie Hawighorst ein zentrales Projekt, beim Abwägen der Möglichkeiten aber trennen sich die Wege: Plädiert die CDU-Sprecherin für das Anlegen zusätzlicher Parkplätze sowie einer neuen Stichstraße, die den Besuchern eine Einbahnstraßenregelung ermöglichen würde, sieht die Grünen-Bürgermeisterin eine Möglichkeit im Neubau eines Naturbades am gleichen Standort.
Die Entwicklung des neuen Huckarder Wohnquartiers „Bergmannsgrün“ findet sich ebenfalls auf den Zetteln beider Fraktionen. Claudia Brückel betont, wichtig sei insbesondere eine gute Entwicklung der sozialen Infrastruktur inkl. Kita und Begegnungszentrum. Dass die ursprünglich noch ambitionierteren Verkehrskonzept-Pläne mittlerweile seitens der Stadt eingedampft wurden, findet auch die Unions-Politikerin ausgesprochen bedauerlich. Aus Ulla Hawinghorsts Sicht sollte die BV außerdem im Rahmen ihrer Möglichkeiten überall im Stadtbezirk dabei unterstützen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen: Sei es durch Aufstockung oder auch Leerstandsnutzung.
Der CDU-Lokalpolitikerin und ihrer Fraktion ist auch der in Nachbarschaft der Kokerei geplante Energiecampus ein wichtiges Anliegen. Hier hat die Stadt ihrer Meinung nach bislang zu zögerlich und zu bürokratisch agiert. „Mittlerweile“, gibt sie zu bedenken, „haben andere Kommunen uns überholt, so dass es schon jetzt schwieriger sein wird, das Projekt umzusetzen. Es steht zu hoffen, dass wir es wirklich schaffen, Firmen für Zukunftstechnologie nach Huckarde zu holen. Außerdem soll der Campus eine eigene Kita und Grünanlagen mit Naherholungswert bekommen.“ Auch auf die Entwicklung der Fläche als „Schwammstadt“ lege man viel Wert.
Aus Sicht von Ulla Hawighorst sollte überall im Stadtbezirk mitgewirkt werden, Umweltstandards zu schaffen bzw. zu bewahren: „Vielfältige Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt und des Klimas z. B. durch Frischluftschneisen, Trittsteinbiotope, ökologische Waldbewirtschaftung, ökologische Projekte im Rahmen der IGA“ nennt sie als Beispiele.
Die IGA findet bei der CDU gesonderte Erwähnung: Etwa, weil man ein Auge auf das Verkehrskonzept haben und helfen wolle, „den Besucherverkehr aus den Quartieren rauszuhalten“. Und weil man sich dafür stark machen möchte, die noch vergleichsweise neue Idee eines „Parks der Partnerstädte“ auf dem Deusenberg zu realisieren.
Aus Grünen-Sicht ist auch die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in den Ortskernen – insbesondere in Kirchlinde – eine wichtige lokale Aufgabe. Das sollte, fasst Ursula Hawighorst zusammen, vor allem fussgängerfreundlich geschehen. In Huckarde beispielsweise setzen sich die Grünen für die Aufwertung des Marktplatzes ohne weitere Parkmöglichkeiten ein.
Der politischen „Leitplanken“ zum Trotz ist die Prioritätenliste der Huckarder Kooperationspartner also keineswegs identisch. Ob der Huckarder Pragmatismus schwer genug wiegt, die Unterschiede auszugleichen, können selbstverständlich nur die nächsten Jahre zeigen.
















