Mit seiner Show „Schlag den Raab“ hatte ihr gleichnamiger ehrgeiziger Erfinder anno 2006 den richtigen Riecher. Ein TV-Wettkampf, dessen roter Faden exakt darin besteht, dass durchgehend so ziemlich alles passieren kann. Und dessen Wertungssystem dafür sorgt, dass die Spannung meistens bis zum allerletzten Moment erhalten bleibt.
Stefan Raabs Erfolgsformel brachte landesweit zahlreiche Ableger hervor: Nicht nur flächendeckend bekannte wie „Schlag den Henssler“, sondern auch lokale wie „Schlag den Chef“ oder „Schlag den Bürgermeister“.
Kirchlindes Gymnasium wiederum hob 2014 „Schlag den Lehrer“ aus der Taufe – und wie schon der Titel vermuten lässt, mangelte es auch bei dieser Variante nie an Ehrgeiz. Denn wo sonst hätten Schüler*innen jemals die Chance, den Spieß derartig gründlich umzudrehen? Noch dazu vor Publikum und sozusagen „beurkundet“? Insgesamt dreimal füllten die modernen Gladiatorenkämpfe im Laufe der letzten zwölf Jahre am BBG die Arena. Häufiger übrigens deswegen nicht, weil die notwendigen Vorbereitungen offenbar ein echter Brocken sind.
Packte der Nachwuchs die Gelegenheit zur Premiere gleich mal beim Schopfe und holte sich den Sieg, setzten sich in der Folge zweimal die Pädagog*innen durch. Zuletzt 2018, als das Event unter „Die Entscheidung!“ angekündigt wurde. Aber schließlich gibt’s auch Musiker, die fünfmal auf Abschiedstournee gehen, und so durfte sich die Schulgemeinschaft am 10. Juni tatsächlich über eine „Schlag den Lehrer“-Neuauflage freuen. Annähernd ein Jahr lang hatte das Orga-Team – ebenfalls zusammengesetzt aus Kollegiumsmitgliedern und Teilen der Schülerschaft – im Vorfeld Spiele ertüftelt und geprobt, verworfen und ersetzt sowie die Technik auf den neusten Stand gebracht.
In der Aula dann durften die beiden Viererteams zwar in der komfortablen Polster-Sitzecke und mit Getränken versorgt Platz nehmen, gegenseitig allerdings schenkte man sich nicht viel.
Besser aus den Startblöcken schaffte es dabei „Team Blau“ alias „die Lehrer“. Beim Bestimmen der „Geburtsdaten“ von Songs machte dabei wohl der Faktor Erfahrung den Unterschied: Spätestens jedenfalls nachdem „Bochum“ von Herbert Grönemeyer abgefragt worden war, hatte das Lehrerzimmer diese Punkte sicher eingefahren. In der sich anschließenden schweißtreibendsten Aufgabe des Abends mussten sich die Kontrahenten in einem Einkaufswagen sitzend über die Bühne zu bewegen, und das Kollegium – mit einem Sportlehrer ins Rennen gegangen – baute die Führung weiter aus. Sollte die Revanche also womöglich gründlich danebengehen? Sollte sie nicht, denn schließlich gilt das Motto „Hinten ist die Ente fett“ für Raabs Wettkampf-Format in besonderem Maße. Und tatsächlich kam die Schülerschaft, u. a. durch einen Sieg beim „Tabu“-Begrifferaten zurück. Im weiteren Verlauf sah alles nach einem Foto-Finish aus, und so sollte es letztlich auch kommen: Als das Moderationsduo Alexa Lottermoser (Schülerschaft) und Lehrer Andreas Jostes – der auf der Bühne recht überzeugend den Groove-Minister gab – das finale Spiel ankündigte, war der Sieg nach wie vor für beide Seiten in Reichweite. „Grob geschätzt“ lautete die Überschrift und servierte einige knifflige Herausforderungen: Wieviel wiegt etwa eine „gewöhnliche Schäfchenwolke“ in Tonnen? Schlussendlich warf sich Luis Bergmann für die Schüler knapp vor Kollegiumsmitglied Daniel Schröder über die Ziellinie. Damit war die Revanche geglückt, der Ausgleich im „ewigen Ranking“ geschafft!
Wann bzw. ob überhaupt eines Tages allerdings “Die Entscheidung 2.0“ auf dem Plan stehen wird, ist nach Worten von Christoph Raguse noch komplett offen: So ein „TV-Duell“ für die ganze Schule ist nun mal enorm viel Arbeit!

















