Banksy hat angeblich ein Alibi, obwohl doch Kirchlinde in der Vita des kürzlich enttarnten Streetart-Künstlers noch fehlen dürfte. Spaß beiseite: Seit dem zweiten Mai-Wochenende besitzt Kirchlindes Schulzentrum, wenn auch nicht „den eigenen Banksy“, so doch sein eigenes Stück Straßenkunst. Und wie es sich für diese Kunstform gehört, mit direktem Bezug zum Ort: Schnell wird der Betrachter eine der abgebildeten Figuren als den guten alten Bertolt Brecht identifizieren. Und wenn die Dame, die der Dramatiker da wenig standesgemäß huckepack durch die Landschaft trägt, mal nicht Annette von Droste-Hülshoff ist …
Die beiden Namenspaten der angrenzenden Schulen wurden dann auch nicht nur per Bild „verewigt“, sondern finden sich darüber hinaus in den Slogans wieder: „Brecht aus!“ lag vermutlich nahe und ist nicht allzu interpretationswürdig. Wie hingegen „Seid drostig!“ wohl zu verstehen ist? Die Autorin jedenfalls blickte ja auch gerne mal in menschliche Abgründe und stellte gesellschaftliche Zwänge in Frage – das könnte als Gedankenanstoß hinhauen.
Auch die siebte Klasse des BBG, die den frischen Kreativ-Impuls im Kunstkurs gleich mal aufnahm und sich das Werk aus der Nähe ansah, assoziierte munter draufloß: „”Die Botschaft ‘Brecht aus!’ kann bedeuten, dass wir aus der Gesellschaft ausbrechen sollen […] Vielleicht soll das zeigen, dass wir uns – wie das Zebra – auch einfach verändern dürfen,“ war da ebenso eine Vermutung wie “Ich glaube, dass “drostig” an durstig erinnern soll, dass wir durstig sein sollen nach neuen Entdeckungen.”
Die Gedanken ein wenig in Schwung gebracht hat das Wandbild also bereits, was den Urhebern bestimmt gefallen dürfte. Wer indes die weiteren gesprayten Protagonisten sein könnten: Großes Fragezeichen. Gibt’s hier, ein wenig womöglich noch weitere Promis zu erkennen? Oder hat sich das Künstlerkollektiv etwa selbst ins Bild gesetzt? In jedem Falle legten die Urheber ein für „Guerilla-Kunst“ schon fast vorbildliches Verhalten an den Tag und setzten die BBG-Schulleitung – wenn auch nicht per offiziellem Antrag, sondern leicht subversiv über einige Ecken – mit ein paar Tagen Vorlauf in Kenntnis, dass man gerade etwas plane. Signiert wurde das Ganze dann selbstverständlich auch: Wer weiß, wer sich hinter dem Kürzel „F.I.P.“ verbirgt, hat also das Rätsel für sich selbst bereits gelöst.
Einen Blick auf die Huckepack-Hülshoff und alle anderen gesprühten Charaktere werfen kann man, wenn man von der Bockenfelder Straße aus (aber besser nicht als Fahrzeuglenker) in Richtung Rückwand der Realschul-Sporthalle schaut.
















