Sein Sport-Renommee hat das Bert-Brecht-Gymnasium über die letzten Jahre kontinuierlich ausbauen können, inzwischen kann man auch in musischer Hinsicht punkten: Durch Olha Tabunshchyk und Vilius Gibbisch sicherte sich die Kirchlinder Schule beim aktuellen stadtweiten Entscheid von „Jugend musiziert“ Ende Januar gleich zwei Treppchenplätze in der Kategorie „Klavier solo“.
Bewundernd auf die Finger geschaut habe er Pianospielern schon lange, bevor er sich erstmals an die Tasten getraut habe, erzählt der in Litauen aufgewachsene Vilius. Der Glaube ans eigene Talent nämlich war offenbar eine ganze Zeit lang nicht besonders ausgeprägt. Erst als die jüngere Schwester sich für Klavierstunden anmeldete, kriegte auch der damals Zehnjährige die Kurve. Bereut hat er diesen Entschluss nie: Bis heute ist das Piano ein perfekter Ort für ihn, um seinen Gefühlen Raum zu geben. Weswegen er, erläutert der 18-Jährige, er auch nie nach Genre entscheide, wenn er sich ans Klavier setze. „Es muss“, resümiert er, „halt zur Emotion passen“. Mit diesem Ansatz fand er offenbar auch bei seinen Musiklehrern offene Ohren.
Seine Schulkameradin gibt zu, bei ihr sei es ein wenig anders gelaufen. In ihrer Familie hätten ausnahmslos alle ein Musikinstrument gespielt, und in der Musikschule ihres ukrainischen Heimatorts, so die heute 17-Jährige, habe das klassische Notenmaterial deutlich höher im Kurs gestanden. Zudem ging seit ihrer ersten Unterrichtsstunde im Alter von sieben Jahren natürlich nichts ohne reichlich Disziplin beim Üben. „Deswegen war mein Verhältnis zum Klavier eigentlich bis zur siebten Klasse durchgehend eine Art Hassliebe“, blickt sie zurück. „In jedem Sommer sagten meine Eltern irgendwann: ‘Na gut, dann melden wir dich eben ab‘, und jedes Mal war mir klar, dass ich das auf keinen Fall will.“ Was seitdem anders geworden ist? „Ich, vermutlich“, sinniert Olha. „Irgendwann ist man vermutlich in einem Alter, in dem man etwas für sich haben möchte. Und hinzukommt“, möchte sie diesen Aspekt nicht unerwähnt lassen, „dass ich seit dem Kriegsbeginn sozusagen etwas brauche, wohin ich fliehen kann.“
Ihre wöchentlichen Unterrichtsstunden absolviert die BBG-Schülerin, sofern die Technik mitspielt, übrigens immer noch per Videocall in die Heimat. Längst sind die Musik und das Musik-machen für beide zu Elementarbausteinen ihres Lebens geworden, denen sie sich auch denkbar „unklassisch“ beim gemeinsamen Proben mit der aktuellen BBG-Schülerband Raum geben.
Auch beim musikalischen Talentwettbewerb soll für beide konsequenterweise das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Für Q1-Schüler Vilius wäre es die letzte entsprechende Chance, allerdings hat Olha munkeln hören, 2027 stünden Piano-Duos auf dem Prüfstand. Das wiederum würde doch wohl kein wirkliches Hindernis darstellen, oder? Nein, würde es nicht, schütteln beide die Köpfe: Im Falle des Falles ginge man auch mit vereinten Kräften ins Rennen.

















