Darf ein Kulturunternehmen zuerst Insolvenz anmelden und dann die nächste Tour in eigener Sache organisieren? Natürlich nicht – aber im Falle des Dortmunder Geierabends stellt sich die Angelegenheit auch komplett anders dar: Finanziellen Schiffbruch erlitten hatte da nämlich noch während der laufenden letzten Karnevals-Session die Booking-Firma „Flattermann“. Während dieses Verfahren nach wie vor anhängig ist und sich daran – Stichwort „Auslastung deutscher Gerichte“ – wohl bis auf Weiteres auch nicht viel ändern dürfte, hat sich in kreativer Hinsicht für die Bövinghauser Geier ein breiter Silberstreifen am Horizont aufgetan.
Dass das Bühnenmaterial – also Sketche, Nummern und Songs – geistiges Eigentum der Autor*inne ist und damit weiterverwendet werden darf, wahr ohnehin klar. Mittlerweile aber hat die Alternativkarneval-Truppe auch Brief und Siegel, dass sämtliche Kostüme unter die Konkursmasse fallen.
Last but not least spielt dem Ensemble ein halb zufälliger Umstand extrem in die Karten: Im Zusammenhang mit Corona-Fördermitteln sicherte sich Steiger Martin Kaysh vor einigen Jahren formell die Namensrechte am Geierabend, ohne dem Vorgang allzu viel Bedeutung beizumessen. Klarer Fall von „Glück gehabt“, versetzt dies die Comedians doch heute in die Lage, die Marke „Geierabend“ trotz des finanziellen Crashs vom letzten März weiter fortführen zu dürfen.
Weswegen dort a) die Wackersteine hörbar plumpsten und man b) nicht lange bis zur Entscheidung brauchte, auch 2026 eine Sommer-Comedy-Show anbieten zu wollen.
Die geht jetzt Ende Juli an traditioneller Geier-Spielstätte über die Bühne: Vom 24. bis zum 26.7. lautet das Motto bei „Tante Amanda“ in Westerfilde “Geier Forever“. Im zugehörigen Pressetext heißt es u. a.: „Das einzige Satire-Ensemble des Ruhrgebiets lädt zum Freiluftlachen, zum Gag-Sundowner, zum Arschbombencontest des Humors.
Das runderneuerte Ensemble feiert den Sommerspaß im Freien mit gleich sechs Comedians. Dazu, das gibt es so kein zweites Mal, mit einer großartigen Liveband. Die macht Tempo und Emotionen, kennt Gefühl und Gag, kann Rock´n´Roll und Rachmaninow.“
Darüber, ob auch in der nächsten Karnevalssession die Show weitergeht, ist nach dem Schlingerkurs der letzten Wochen noch nicht abschließend entschieden. Nicht zuletzt, weil die 2027 sehr kurze 5. Jahreszeit den Zeitplan noch etwas herausfordernder machen würde. Ganz grundsätzlich jedoch soll das Projekt Geierabend weiterleben – und zwar nicht irgendwo, wie Steiger Martin Kaysh unterstreicht, sondern selbstverständlich im Heimathafen des Ensembles: In Bövinghausen „auf Zeche“.
















