Der katholischen Kirche geht es seit geraumer Zeit ein bisschen wie – aktuell – Werder Bremen: Viel Tradition und große Vergangenheit treffen auf Abstiegsangst. Die aufgrund des Mitgliederschwundes und des mittlerweile deutlich engeren Spielraums nötigen finanziellen Einschnitte sorgen erwartungsgemäß bei vielen Gläubigen für zusätzlichen Unmut. Im Pastoralverbund Dortmunder Westen etwa liegt mit dem „finalen Bild“ des Immobilienprozesses nun seit wenigen Tagen ein Abschlussbericht vor, der dem einen oder anderen Stadtteil einiges abverlangt. Beinahe gleichzeitig trat hier zudem ein neuer Pastor seinen Dienst an.
Wirklich unbekannt allerdings ist Christian Schmidtke sein neues Einsatzgebiet nicht. Zum einen, weil Dortmund in den Kindertagen des gebürtigen Iserlohners die nächstgelegene Großstadt war. Zum anderen, da er 2016 in Huckardes Urbanusgemeinde sein zweijähriges Diakonat angetreten hatte. Seit 2022 Pastor in einem Außenbezirk Hamms, machte er aus seinem grundsätzlichen Wunsch, irgendwann wieder nach Dortmund zurückzukehren, keinen Hehl. „Weil ich wirklich ein Stadtmensch bin“, wie der 39-Jährige erläutert.
Diese Gelegenheit ergab sich jetzt, und ein wenig persönliche Planungssicherheit bekam Pastor Schmidtke gleich „on top“ mit dazu: Zwar blicken die Gemeinden bzw. die Pastoralverbünde der Katholiken allen beschlossenen Einsparungen zum Trotz immer noch in eine unklare Zukunft, der Lütgendortmunder „Neuzugang“ allerdings übernimmt an der jetzigen Wirkungsstätte zwei Aufgaben bzw. zwei „halbe Stellen“: Die eines klassischen Pastors „vor Ort“ sowie die eines Kulturbeauftragten der Dortmunder Katholiken. Als solcher soll er dabei helfen, über den Tellerrand hinaus zu blicken und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen der Kirche und kulturellen Akteuren bzw. Institutionen ausloten.
In dieser „Scharnierfunktion“ macht er sich derzeit beispielsweise Gedanken darüber, mit welchen Angeboten Dortmunds Katholiken die Bürger*innen im Zuge der IGA 2027 erreichen kann. Christian Schmidtkes erste Arbeitswochen standen – bei dieser seiner beiden halben Stellen – naturgemäß im Zeichen des Netzwerkens. Auch abgesehen von der Gartenausstellung gibt’s schon die eine oder andere Idee, eine davon sogar Lütgendortmund betreffend. Hier könnten sich die Verantwortlichen nämlich vorstellen, künftig einen komplett brachliegenden Raum im Turm der St.-Magdalena-Kirche in ein etwas anderes Kunstatelier umzuwandeln. „Da es meine Stelle in dieser Form vorher noch nie gab“, fasst der 39-Jährige zusammen, „entwickle ich sie eigentlich gerade erst“.
Die Aufgaben eines Pastors vor Ort sind naturgemäß klarer umrissen. Oder doch nicht? Schließlich scheint es derzeit so, als ob es die katholische Kirche kontinuierlich durchschüttelt. Christian Schmidtke allerdings appelliert, in der Krise auch neue Möglichkeiten zu erkennen. „Wir werden“, erläutert er, „Kirche in der Zukunft natürlich anders denken müssen. Das klassische Gemeindemodell wird es irgendwann nicht mehr geben, allerdings hat ja selbst meine Generation auch nicht mehr viel Interesse daran, sich fest an einen Ort zu binden und dort zu engagieren. Wir sollten also neue Formen der Präsenz entwickeln und eine Chance darin sehen, die Kräfte der Christen aus einem größeren Einzugsgebiet bündeln zu können.“ Und wie sieht’s vor dem gleichen Hintergrund mit der Zusammenarbeit zwischen den beiden großen Konfessionen aus? „Oh, ich bin ein ökumenischer Mensch durch und durch“, unterstreicht Lüdos neuer Pastor. Und so will er nach Kräften dabei mithelfen, dieses Netz weiterzuspinnen und zu pflegen.

















