Knapp war’s! Nach 42 Jahren des Bestehens drohte die Geschichte der Interessengemeinschaft Lütgendortmunder Vereine und Verbände (IGLVV) in diesem Jahr unweigerlich auf ihr Ende zuzusteuern. Dass nämlich bisherige „Lokomotiven“ wie etwa der Ehrenvorsitzende Reinhard Sack oder Reiner Lahme ihre Plätze in vorderster Reihe 2026 unwiderruflich räumen würden, stand seit einiger Zeit felsenfest.
Die Suche nach Nachfolgern wiederum gestaltete sich im Kulturhaus an der Werner Straße alles andere als einfach: Nicht zuletzt, weil die in Lüdos Vereinen organisierten Ehrenamtler mit ihren betreffenden Jobs in der Regel schon alle Hände voll zu tun haben.
Für den Ort wiederum – da besteht kein Zweifel – wäre ein Kollaps von Lüdos IG der ultimative GAU: Werden von hier aus doch sowohl Dorffest als auch Martinsmarkt und „Dellwig im Advent“ organisiert als auch die Ferienspiele massiv unterstützt. Damit nicht genug: Auch das Kulturhaus selbst, für den noch bis ins Jahr 2042 ein laufender Erbpachtvertrag besteht, wäre schon bald nicht mehr als eine schöne Erinnerung gewesen.
Gelegenheit also, sich den Schweiß abzuwischen – schließlich steht seit Anfang August fest, dass Lütgendortmunds „Dachorganisation“ entgegen aller Befürchtungen doch noch eine Zukunft hat.
Dass dem so ist, liegt an Frank Vieting und Frank Westermann. Letzterer plaudert aus dem Nähkästchen: „Frank hatte sich mit ein paar Leuten gemeinsam ein WM-Spiel angesehen, als Jörg Seelig von der Radeberger Gruppe die Situation schilderte.“ Die Dringlichkeit des Problems ließ den Ur-Lütgendortmunder die Initiative ergreifen. „Wir haben“, resümiert der 55-Jährige, „schon so häufig von Aktivitäten hier im Ort profitiert. Es ist einfach Zeit, etwas zurückzugeben.“ Zudem war Westermann, wie er ahnte, mit dieser Sichtweise im eigenen Freundeskreis nicht alleine. So schloss er sich dann also mit seinem Kollegen Frank Vieting kurz, und nach eingehender gemeinsamer Beratung stand fest: Man würde sich gemeinsam auf die Kommandobrücke wagen!
Am 7.8.2026 kürte die IG das Duo zu ihrer neuen Vorstandsspitze, und bei den bisherigen Chefs dürfte man den einen oder anderen Wackerstein fallen gehört haben. „Der Größe der Fußspuren, in die wir gerade treten, sind wir uns durchaus bewusst“, betont der neue 1. Vorsitzende Frank Vieting. Als eine ihrer wichtigsten Herausforderungen sehen die beiden nach Vietings Worten dabei an, „das Vereinsleben im Ort insgesamt sichtbarer zu machen.“ Um das hinzubekommen, könnte man sich etwa einen „Tag der Vereine“ – wie es ihn in anderen Dortmunder Bezirken bereits gibt – im Rahmen des Dorffests vorstellen. Auch die eigene Website soll in Zukunft wieder deutlich aktueller und umfassender zu den anstehenden Aktivitäten sowohl der IG als auch ihrer Mitgliedsvereine informieren. In einem Veranstaltungskalender – selbstverständlich böte sich hier der von Wilhelm Mohrenstecher editierte Historienkalender an – möchte man zudem die anstehenden Events zusammenführen. „Der Ort dürfte sicherlich davon profitieren, wenn es uns gelingt, die Vereine wachzurütteln“, ist Frank Westermann überzeugt, der als aktuelles Mitglied von Eintracht Lütgendortmund und ehemaliger Aktiver im DLRG, in der Kirchengemeinde sowie dem Recktenwaldschen Akkordeon-Orchester gewissermaßen mit Haut und Haaren im Stadtteil sozialisiert wurde. Ihre künftigen Kern-Arbeitsfelder wollen sie inhaltlich ein bisschen aufteilen. Während der 58-jährige Frank Vieting, u. a. ehemaliger Aufsichtsrat der Volksbank Dortmund-Nordwest und, wie er schmunzelnd verrät, „aufgewachsen direkt neben der Ritter-Brauerei“, vor allem den Kontakt zu Politik und Verwaltung in Stadt und Bezirk pflegen will, kümmert sich sein Vize vor allem um den inneren Zusammenhalt der Interessengemeinschaft: Außen- und Innenminister, könnte man womöglich auch sagen.
Für die lokalen Vereine und Verbände jedenfalls resultieren aus einer erfolgreichen IG auch ganz handfeste Vorteile, unterstreicht das neue Vorstandsduo: „Einzelnen Clubs würde es z. B. deutlich schwerer fallen“, erklärt Frank Vieting, „Fördergeld aus dem Stadtbezirks-Marketing zu generieren“.
Zuspruch jedenfalls habe man in den ersten Wochen von sehr vielen Seiten erhalten, nun gelte es, „den Schwung mitzunehmen“. Nicht zuletzt, weil ihr „Dorf“ den beiden Chefs am Herzen liegt. „Ein paar Momente gab’s, in denen ich aus beruflichen Gründen an einen Umzug gedacht habe“, erläutert der 1. Vorsitzende seinen Blick auf die Heimat und klingt dabei wie ein Kicker, der in seiner Karriere nie den Verein gewechselt hat, „aber dann war habe ich mir bewusst gemacht: Meine Familie, mein Freundeskreis, mein soziales Umfeld befindet sich genau hier. Und es wäre eine schlechte Idee, all dem den Rücken zu kehren.“

















