Die beiden großen Kirchen erleben hierzulande aktuell stürmische Zeiten, angesichts schwindender Mitgliederzahlen und geringerer Einnahmen müssen schmerzliche Entscheidungen möglichst nachvollziehbar getroffen und kommuniziert werden.
Wie herausfordernd die Aufgabe ist, legt schon die Entscheidung des kath. Pastoralverbunds Dortmunder Westen offen, den erst für März anberaumten Informationsabend noch einmal um rund sechs Wochen zu verschieben. Am 6. Mai haute es dann allerdings hin, und die Gäste im Gemeindesaal an der Limbecker Straße konnten erfahren, wie es aller Voraussicht nach um die jeweiligen Kirchenimmobilien im Westen der Stadt zukünftig bestellt sein dürfte. Ein mittelschwerer Stein dürfte dabei vor allem den Besucher: innen aus Bövinghausen vom Herzen gefallen sein, ist eine Aufgabe der Herz-Jesu-Kirche an der Provinzialstraße inzwischen doch offenbar vom Tisch. Abgerissen werden sollen nach wie vor hingegen sowohl Pfarr- als auch Gemeindehaus. Wie eine Alternativlösung aussehen könnte, steht noch komplett in den Sternen: Von einem Gemeinderaum in der Kirche über die Nutzung eines kleinen Teils der entstehenden Neubauten bis zu „gemeinsamer Sache“ mit Bövinghausens Protestanten ist alles denkbar, aber auch noch zu prüfen.
In Oespels Gemeinde „Christus unser Friede“ haben Vorstand und Gemeindeausschuss prinzipiell in einen Verkauf des Kirchengebäudes eingewilligt, dies allerdings an eine Bedingung geknüpft: Ein rund 100 m2 umfassender Kapellen-Anbau an das Gemeindehaus soll den Verlust nach Möglichkeit auffangen. Die Kapelle möchte man in „modularer Bauweise“ gestalten, so dass ihre Größe je nach Einsatzzweck ein Stück weit reguliert werden kann. Umsonst gäbe es das selbstverständlich nicht: Mit 600.000 bis 650.000 € rechnet man im Pastoralverbund. Von dieser Summe würde das Erzbistum im Falle des Falles 70 % übernehmen, für ein knappes Drittel müsste man vor Ort aufkommen. Nicht wenig in einer Zeit knapper Kassen, doch sicherlich „die bessere Alternative zu den laufenden und den perspektivischen Kosten der derzeitigen Kirche“, wie Gemeindereferent Bastian Lauf unterstreicht. Deren Abriss ist übrigens keine Option, da sie von der unteren Denkmalbehörde als “erhaltenswürdiges Gebäude” eingestuft wurde..
Die bitterste Pille dürften wenig überraschend die Martener Katholiken zu schlucken haben, sehen die Planungen doch den kompletten Rückzug der Kirche vom Sadelhof vor. Für das Pfarrhaus liegt sogar schon ein Kaufangebot vor, im Falle des Gemeindehauses könnte die Stadt zur Erweiterung des OGS-Angebots an der Steinhammer-Grundschule zur Mieterin des Gebäudes werden. In diesem Falle bliebe den Gemeindemitgliedern wohl zumindest die Möglichkeit einer Mitnutzung der Räumlichkeiten, wobei die Überlegungen mittelfristig darauf setzen, das Immanuel-Gemeindehaus oder aber das der Nachbargemeinde St. Laurentius mitzunutzen. Einen schwierigen Fall stellt bei näherem Hinsehen wohl die große und heizintensive Kirche in Martens Mitte dar: Hier könnte sich die Stadtverwaltung durchaus eine Nutzung als Kita- bzw. Schulerweiterung oder als künftigen Bücherei-Standort vorstellen, einer Finanzierung des Umbaus oder einer späteren Übernahme der laufenden Kosten aber erteilt man im Rathaus eine Absage. Die Suche nach einem Investor wiederum dürfte kein Selbstläufer werden – zumindest in Erwägung zieht die mit der Organisation des Immobilienprozesses beauftragte Projektgruppe daher, die Dienste der bistumeigenen „Consolido GmbH“ in Anspruch zu nehmen, die auf die Aufgabe „Nachnutzungssuche“ spezialisiert ist.
Im Gespräch mit unserer Redaktion widersprach Gemeindereferent Bastian Lauf dem u. a. beim Infoabend im vergangenen Herbst geäußerten Einwand, die auch im „internen Vergleich“ sehr niedrige Besucher:innenzahl der Messe in der Kirche „Hl. Familie“ sei zum erheblichen Teil die Folge der Terminierung des Gottesdienstes auf den späten Samstagnachmittag. Diese Regelung, so Lauf, greife erst seit der Corona-Zeit. Schon vorher aber sei die Zahl der Gläubigen in Martens Kirche niedriger gewesen als in den weiteren Gotteshäusern des Pastoralverbunds.
Das sieht interessanterweise rund anderthalb Kilometer weiter westlich deutlich anders aus: Die vergleichsweise gut besuchte Kirche St. Laurentius steht ebenso wenig auf der Kippe wie das benachbarte Gemeindehaus. Bewegung käme lediglich dann in die Angelegenheit, wenn der Träger der im Kirchen-„Untergeschoss“ untergebrachten Kita eine Schließung des Standorts beschlösse: In diesem Falle zöge das Gemeindehaus zurück in die Räumlichkeiten, in denen es bereits in früheren Jahren untergebracht war, während man das frei werdende Grundstück verkaufen oder verpachten würde.
Die wenigsten Änderungen sind in jedem Falle am Lütgendortmunder „Stammsitz“ an der Limbecker Straße zu erwarten: Dem Gemeindehaus genehmigte das Bistum schon vor dem Start des Immobilienprozesses eine Sanierung, das Pfarrhaus fällt noch in die Kategorie „nagelneu“. In Betracht gezogen wird allerdings, hier einen Teil der Nutzfläche in eine weitere (Miet-)Wohnung umzuwandeln.
Dass die von den Teilnehmenden des „ersten Bildes“ im Oktober auf Whiteboards hinterlassenen Fragen ausnahmslos beantwortet worden waren, wurde im Gemeindehaus ausgesprochen positiv aufgenommen. So schlugen die Wogen deutlich weniger hoch als bei der zurückliegenden ersten Bestandsaufnahme. Endgültig gelesen ist “die Messe” mit dem 6. Mai aber noch nicht: Ab sofort widmet sich die Projektgruppe auf Basis der neuen Wortmeldungen sozusagen dem Feinschliff; am 7. Oktober schließlich möchte man den Gemeindemitgliedern die finale Fassung in Form einer „Immobilienvereinbarung“ vorstellen.

















