Anfang März verabschiedete die Christus-Gemeinde feierlich ihre langjährige Kirchenmusikerin und Organistin Hannelore Heinsen in den Ruhestand. Verwaist allerdings wird der Platz an der Orgel der Bartholomäuskirche nicht bleiben, fällte man doch bereits im November des letzten Jahres die Entscheidung über eine direkte Nachfolge.
Am 1.4. nun hat Eun Sook Kim ihre neue Stelle an Theresen- und Provinzialstraße angetreten. Der Entschluss der gebürtigen Koreanerin, ihr berufliches Glück nach Abschluss ihres Studiums in Deutschland zu versuchen, trägt vor allem den Namen Johann Sebastian Bach. Im Lande des Klassik-Giganten wollte sie sich ihrer musikalischen Leidenschaft widmen – und war dafür auch zu beeindruckenden Opfern bereit: Ihre Studien an den musikalischen Hochschulen von Essen und Maastricht etwa absolvierte sie ab 1999 parallel, An- und Abreise: Mit dem Zug. „Um in Holland einen der guten Proberäume zu bekommen, musste ich hier morgens spätestens um kurz nach 5 Uhr losfahren“, berichtet sie Erstaunliches.
Mit der Geburt ihres ersten Kindes 2003 allerdings legte Frau Kim ihre beruflichen Pläne erst einmal bis auf Weiteres auf Eis. Und obwohl sie an ihrem neuen Wohnort in Hagen bald damit begann, im Notfall als Kirchenmusikerin einzuspringen und in ihrer Gemeinde auch die Leitung diverser Vokal- und Instrumental-Ensembles übernahm, sollte es letztlich doch zwei Jahrzehnte dauern, bis die heute dreifache Mutter die Zeit gekommen sah, sich ganz ihrem Herzensthema Musik zu widmen. Einen anderen Beruf vorstellen könnte sie sich nach eigenen Worten ohnehin nicht: „Ich glaube“, erzählt sie, „an die besondere Kraft der Musik, Gemeinschaft zu stiften. Und die Orgel begleitet unser Leben in wichtigen Momenten ja eigentlich vom Anfang bis zum Ende. Ich kann also wirklich sagen, meinen Traumberuf gefunden zu haben.“ Was man der Kirchenmusikerin problemlos abnimmt, wenn man ihr ein Weilchen zuhört. „Für Bach“, schlägt sie den Bogen zu ihrem musikalischen Idol, „war ein Werk so etwas wie eine Predigt. In diesem Sinne sind wir also eigentlich auch Prediger“, unterstreicht die Organistin noch einmal die integrativen Möglichkeiten von Musik.
Damit diese integrative Kraft sich bestmöglich entfaltet kann, geht Eun Sook Kim auch gerne innovative Wege. „Schließlich kann die Orgel kann als Instrument ganz unterschiedlich interpretiert und u. a. auch für Jazzkonzerte oder Ballettmusik verwendet werden.“ In Hagen etwa hat Lüdos neue Organistin durchaus auch schon mal für „Viva La vida“ von Coldplay in die Tasten gehauen, und so besteht auch an ihrer neuen Wirkungsstätte der Traum, mit vielfältigen Projekten unterschiedlichste Altersgruppen für gemeinsames Musizieren zu begeistern.
Wobei Vielfalt, so lautet Eun Sook Kims erster Eindruck, in der Christus-Gemeinde mit ihren zahlreichen Musikensembles auch jetzt schon großgeschrieben wird. Ein erstes persönliches Kennenlernen mit dem Kirchenchor fand gleich am Abend des zweiten Arbeitstages statt, die Bühnenpremiere unter neuer Leitung steht bereits für den Ostergottesdienst an. „Total begeistert von der Bereitschaft“ des Ensembles, lautet das erste Fazit der neuen „Chefin“. Ihrer neuen Aufgabe wird sie selbst sich ab sofort mit dem Einsatzwillen widmen, der ihr in ihrem Traumberuf selbstverständlich erscheint.

















