St. Martin kam zwar nicht im gestreckten Galopp, aber ansonsten war beim diesjährigen Martener Laternenumzug vor allem Geschwindigkeit Trumpf. Hatte es doch noch wenige Wochen zuvor so ausgesehen, als ob der Stadtteil diesmal Laternen-freie Zone bliebe (wir berichteten). Dann aber bewies man unter Federführung seines Sportvereins Arminia Marten, was möglich ist, wenn ein Team von Leuten seine Kräfte bündelt und konsequent an einer Lösung arbeitet.
Binnen kürzester Zeit organisierte der Arminen-Vorstand um Manfred Kesper nicht nur die notwendigen städtischen Genehmigungen sowie Reiter und Pferd, sondern zauberte ein komplettes Event inkl. Bratwurst-, Waffel- und Getränkestand auf seinen Sportplatz. Und nach einer Route für St. Martin und die Kinderschar musste dank des eigenen, weitläufigen Geländes am Wischlinger Weg nicht lange gesucht werden. Wobei auch Manfred Kesper zustimmt, dass ein Laternenumzug eigentlich mitten in den Ort gehört: Dorthin möchten die Martener im nächsten Jahr dann nach Möglichkeit auch zurückkehren. Vorstellen kann sich der 1. Arminen-Vorsitzende hingegen, das Event künftig regelmäßig auf dem Clubgelände ausklingen zu lassen. Was jedoch bisher, wie er sofort hinterherschiebt, nicht mehr als eine Idee ist: „Der Martinszug im Ort ist eine Veranstaltung der Bürgerschützen, und das soll auf jeden Fall so bleiben. Aber vielleicht können wir ja in Zukunft unsere Kräfte bündeln“, überlegt Kesper vor dem Hintergrund der Möglichkeiten des Clubs. „In diesem Jahr haben wir beispielsweise spät am Abend noch ein Torwandschießen für den Nachwuchs drangehangen.“
Bis alle Lichter auf „grün“ standen, mussten einige Hindernisse gemeistert und seitens des Vereinschefs auch zwei Urlaubstage geopfert werden. „Zum Glück aber“, resümiert er, „habe ich einen guten persönlichen Draht zum RV Somborn“. Dort stellte man ihm schnell und unbürokratisch Turnierpferd „Lupo“ samt Reiterin zur Verfügung. Beide zwar noch ohne St.-Martins-Einsatz, aber immerhin ohne Scheu vor großen Menschenmengen – und tatsächlich meisterte das Duo die Herausforderung bei seiner Premiere souverän.
Ein echter „Oxer“ schien genehmigungstechnisch auf das Orga-Team zuzukommen, doch hier ist Manfred Kesper voll des Lobes für die in den letzten Wochen vielgescholtenen Ämter der Stadtverwaltung. „Alle zuständigen Stellen“, führt er aus, „haben offenbar perfekt miteinander kooperiert und wollten diesen Abend möglich machen. Im Endeffekt hatten wir alle notwendigen Genehmigungen binnen weniger Tage.“ Danach galt es allerdings noch, mit der Polizei in Kontakt zu treten. Der Feuerwehr. Der GEMA!
Samstagmorgen schließlich schienen alle Hürden überwunden, das Ziel in Sichtweite. Bis den Martenern aufging, dass sie aufgrund einer Kommunikationspanne wohl niemand in der Stadt mit Martinsbrezeln versorgen würde. Verzweifelte Notrufe folgten – und wurden schließlich erhört: Offenbar schaltete die Bäckerei Grobe ihre Öfen auf „Turbo“ und schaffte es so tatsächlich, binnen weniger Stunden 500 Brezeln zu produzieren. Ende gut, alles gut – und Manfred Kesper gesteht, dass ihm aufgrund solch schneller Unterstützung „die Tränen in den Augen standen“.
Auch für den Verein und seinen Vorstand hagelte es am Samstag Lob von Besucherseite. Und auch zahlenmäßig mangelte es nicht an Zuspruch, mindestens 600 Gäste dürften am Sportplatz auf den Beinen gewesen sein.
Martinszug und -legende bei Flutlicht-Beleuchtung: Das mag zwar tatsächlich mangels Atmosphäre nur ein Notbehelf gewesen sein. Aber wenn man dann ab 2025 im Ort tatsächlich gemeinsam an einem Strang zieht, war die turbulente Martins-(Vor)geschichte in diesem Jahr ja womöglich wirklich – wie vom engagierten Martener Reiner Gallen erhofft – die Wende zu etwas Besserem.

















