Lütgendortmund hat eine lange Ortsgeschichte, und ein Stückchen Historie ist kürzlichoffenbar wieder aufgetaucht: Im Zuge des Abrisses von Lüdos altem Pfarrhaus an der Westricher Straße stießen die Baggerschaufeln Mitte August im Erdreich auf eine Mauer. Die hinzugezogene Fachfirma konnte das nach und nach freigelegte Relikt dann schnell als einen alten Brunnen identifizieren, der bei der Bebauung in den 1950er-Jahren offenbar nicht verfüllt, sondern stattdessen im obersten Bereich ausgebessert und dann mit zwei großen Mühlsteinhälften abgedeckt worden war.
Rund neun Meter tief reicht der Schacht ins Erdreich und könnte rein theoretisch seinen Dienst sogar heute noch aufnehmen, sammelt sich doch auf seinem Grund nach wie vor das Wasser.
Eine präzise Datierung des Fundes, berichtet einer der Archäologen, traue man sich nicht zu. Sichtbar sei jedoch, dass bald unterhalb des freigelegten oberen Meters eine akkurate Sandstein-Umfassung beginne, als Entstehungszeit sei ab dem Spätmittelalter wohl alles denkbar.
Das historische Relikt wird jetzt noch gründlicher untersucht und dann so präpariert bzw. geschützt, dass es bei der Neubebauung keinen Schaden nimmt. Denn das ist halt doch das Schicksal vieler archäologischer Funde: Dem Neuen müssen sie sich – sprichwörtlich und buchstäblich – letztlich unterordnen. In diesem Falle allerdings, ohne gänzlich zu verschwinden. Wer weiß schließlich, ob nicht in vielen, vielen Jahrzehnten der nächste Baggerführer an der Westricher Straße seiner Crew zuruft: „Da ist was im Boden!“ Unterschied nur: Komplett im Dunkeln wird dann eher niemand mehr tappen, denn analog und digital kartiert wird Lüdos historischer Brunnen jetzt selbstverständlich auch.

















