Die Streichliste der katholischen Kirche im Dortmunder Westen steht fest – und beschlossen ist, von welchen Gebäuden sich die katholische Kirche rund um Lütgendortmund im kommenden Jahr trennen wird. Viele Sondierungen und Beratungen hat es hierzu in den vergangenen Wochen und Monaten auch im Dortmunder Westen gegeben. Anschließend hat die Projektgruppe Immobilien des Pastoralen Raumes die Überlegungen zusammengetragen, verschriftlicht und den Gremien, von denen sie beauftragt worden ist, zukommen lassen.
In einer gemeinsamen, beschlussfassenden Sitzung des neuen Rates der Pfarreien und der Kirchenvorstände am Dienstag, den 13. Januar, im Pfarrheim Christus unser Friede in Oespel wurden diese dann auch formal beschlossen. Direkt anschließend wurde das „Finale Bild“ im Rahmen einer Öffentlichen Veranstaltung am gleichen Ort vorgestellt und präsentiert. Hier gab es für die Mitglieder der Gemeinden und alle Interessierten auch wieder die Gelegenheit, offene Fragen ins Gespräch zu bringen und zu klären, sowie konkrete Ideen für den jetzt in der nächsten Zeit folgenden Prozess der Umsetzung zu sammeln und auszutauschen.
Nachdem die katholische Kirche in Huckarde, Deusen, Kirchlinde, Rahm und Dorstfeld im vergangenen Jahr bereits sogenannte Immobilienvereinbarungen unterschrieben und der Öffentlichkeit präsentiert hatte, zog jetzt die Kirche in Lüdo nach. Obgleich die Entscheidung nicht aufzuhalten war, war die Stimmung am Dienstag im Pfarrhaus der Gemeinde „Christus unser Friede“ heterogen. Die Verantwortlichen waren spürbar erleichtert, einen Beschluss getroffen zu haben.
Der Ausdruck „Immobilienvereinbarung“ klingt zunächst nüchtern und beinahe sachlich, verdeckt jedoch einen tiefgreifenden Einschnitt. Tatsächlich handelt es sich um ein umfangreiches Spar- und Reduktionsprogramm, das vom Erzbistum Paderborn vorgegeben wurde. Hintergrund sind seit Jahren rückläufige Mitgliederzahlen und damit verbundene finanzielle Einbußen. Die Konsequenz ist klar formuliert: Die katholische Kirche soll sich deutlich verkleinern, etwa ein Drittel ihrer Immobilien – darunter auch Kirchengebäude – soll langfristig aufgegeben werden.

Diese Vorgaben beschäftigen den Pastoralverbund Dortmunder Westen bereits seit 2022. Um einen tragfähigen Weg zu finden, wurde 2024 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die mögliche Szenarien prüfte. Erste Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit im Herbst 2024 und erneut im Frühjahr 2025 vorgestellt. Die Reaktionen aus den Gemeinden fielen vielfältig aus: Es gab Widerspruch, Denkanstöße und konkrete Alternativvorschläge. Viele dieser Rückmeldungen wurden aufgegriffen, diskutiert und führten zu Anpassungen der ursprünglichen Überlegungen. Der Prozess zog sich dadurch in die Länge, war jedoch geprägt von intensiver Auseinandersetzung und Beteiligung. Schlussendlich sollte sich die Präsentation des Pastoralreferenten Bastian Lauf vom geplanten Termin im Juli 2025 ins neue Jahr ziehen. Dort gab er bekannt, von welchen Gebäuden man sich trennen werde – insgesamt beläuft sich die Zahl der Abgaben auf 37 Prozent der Immobilienflächen:
Am stärksten trifft es die Gemeinde Heilige Familie in Marten. Der komplette Standort soll aufgegeben werden, die Gemeinde wird künftig ohne eigene Gebäude auskommen. Für das Pfarrhaus liegt ein Kaufangebot vor, das Gemeindehaus ist bereits von der Stadt Dortmund zur Erweiterung der Offenen Ganztagsschule der Steinhammer-Grundschule angemietet. Auch für die Kirche an der Schulte-Heuthaus-Straße gibt es Überlegungen seitens der Stadt, dort ein Begegnungszentrum einzurichten. Wie konkret diese Pläne sind, ist noch offen. Das Gemeindeleben soll künftig in benachbarte katholische oder evangelische Einrichtungen verlagert werden. Die Profanisierung der Kirche ist bereits für den kommenden Sommer vorgesehen.
In Bövinghausen konnte die Gemeinde Herz Jesu nach deutlichem Widerstand Teilerfolge erzielen. Die ursprünglich geplante vollständige Aufgabe aller Gebäude ist vom Tisch. Die Kirche an der Provinzialstraße bleibt erhalten und soll energetisch saniert werden. Das Gemeindehaus mit Kita an der Saturnstraße wird jedoch langfristig aufgegeben. Perspektivisch sollen auf dem Grundstück des Pfarrhauses Wohnungen entstehen, in denen die Gemeinde Räume anmieten könnte. Zudem gibt es erste Überlegungen zu einer neuen ökumenischen Kita.
Die Gemeinde Christus unser Friede in Oespel/Kley muss ihre Kirche aufgeben. Eine Nachnutzung ist noch unklar, allerdings hat die Stadt signalisiert, das Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu wollen. Das Gemeindehaus bleibt erhalten, Gottesdienste sollen künftig dort stattfinden. Zusätzlicher Raum entsteht durch den Umbau der ehemaligen Pfarrwohnung, nachdem Pfarrer Michael Vogt den Pfarrverbund verlassen hat.
Keine Einschnitte gibt es dagegen in St. Laurentius in Marten sowie in St. Magdalena in Lütgendortmund. Beide Kirchen und Gemeindehäuser bleiben bestehen. In Marten ist ein barrierefreier Zugang zur Kirche geplant, in Lütgendortmund wartet die Sanierung des Gemeindehauses noch auf eine städtische Genehmigung. Das zentrale Pfarrbüro mit Dienstwohnung bleibt ebenfalls unverändert, da es als Verwaltungsgebäude nicht unter die Einsparvorgaben fällt.
Pastoralreferent Bastian Lauf machte deutlich, dass der Zeitplan ambitioniert ist. Die Umsetzung der Maßnahmen ist zwischen 2026 und 2030 vorgesehen – allerdings nur unter Idealbedingungen. Verzögerungen seien realistisch. Klar sei jedoch: Der Prozess markiert einen tiefgreifenden Wandel, der die kirchliche Präsenz im Dortmunder Westen nachhaltig verändern wird.












