Kate Black intonierte den nächsten Schlager-Evergreen, die Polonäse machte noch eine Runde durch den Saal, aber der Mann auf der Bühne wirkte – bei näherem Hinsehen – irgendwie melancholisch.
Kein Wunder allerdings, ist die aktuelle Session für Reiner Lahme doch ein mittelgroßer Abschied. Der Chef der KG „Kiek es drin“, seit vielen Jahren nicht nur im Westen Dortmunds fast schon das Synonym für Karnevalskultur, zieht sich aus Vernunftgründen aus der ersten Reihe bzw. von allen Vorstandsämtern zurück.
In seinem letzten Jahr als Vorsitzender durfte er in Lüdos PZ nochmal durch ein rund dreieinhalbstündiges Programm führen, bei dem sich sowohl Lütgendortmunder „Eigengewächse“ als auch etliche Gäste vor ihrem Publikum richtig reinhängten. Und sich dabei, wie die Garde von Grün-Weiß Haspe, auch von besonderen Herausforderungen nicht aus der Ruhe bringen ließen: Für das akrobatische Potential der Hagener nämlich hing die Bühnendecke im PZ eigentlich deutlich zu niedrig, so dass bei den Hebefiguren echte Präzision angesagt war. Wie die temperamentvolle Holzwickeder Showtanztruppe „Silver Sensation“ bekamen auch sie selbstverständlich erst nach einer Zugabe ihren Ausmarsch. Bei den Lokalmatadoren wiederum schwangen u. a. sowohl Junioren-Garde als auch Männerballett – jeweils entsprechend ihrer sehr unterschiedlichen Möglichkeiten – die Beine, und „Die Bömmels“ erweiterten mit der „wahren“ Geschichte von Hänsel und Gretel sogar das Wissen der Besucher*innen.
Schlussendlich gaben sich sogar Prinzenpaar Jens I. und Nadine I. die Ehre, wobei alles andere auch absurd gewesen wäre: Schließlich ist Lüdos KG die traditionsreichste im gesamten Stadtgebiet.
Deren Noch-Chef hielt vorne die Fäden in der Hand, hieß die Akteure willkommen, verteilte den einen oder anderen Orden und wurde seinerseits vom Bund Ruhr-Karneval geehrt. Und auf der Bühne wird der 61-Jährige auch noch zwei weitere Sessionen lang das Zepter schwingen, abseits davon aber ist Reiner Lahme ab April nur noch „normales Mitglied“. Und wirkte das eine oder andere Mal so, als ob er das selbst noch nicht richtig glauben kann. Gemeinsam mit dem „Kiek es drin“-Motor wird auch seine Frau Susanne aus dem Rampenlicht verschwinden. Ein wohldurchdachter Schritt, wäre ein halber Rückzug doch wahrscheinlich gar keine praktikable Möglichkeit. Was Nachfolge-Regelung der beiden angeht, lässt das Ehepaar Lahme die Katze noch nicht aus dem karnevalistischen Sack. Alles, so unterstreichen sie allerdings, sei intern bereits besprochen. In zwei Monaten wartet auf das Duo dann also das undenkbare: Der weitgehende Karnevals-Ruhestand. KG-„Familienmitglieder“ aber bleiben sie selbstverständlich, die Polonäse kann also weitergehen – mit Reiner und Susanne Lahme mittendrin.
















