Wieder was gelernt: Tauchen auf privaten Gebäudeflächen extremistische Parolen auf, ist aufseiten des geschädigten Eigentümers Tempo angesagt: Binnen einer Stunde, erläuterte die Polizei Mark Amshove im vergangenen Sommer, müsse eine Parole unkenntlich gemacht worden sein, die morgens an der Begrenzungswand des Parkplatzes entdeckt worden war.
Ganz kurzfristig ließ sich das natürlich nur mit Mitteln der Improvisation – nämlich durch eine drübergeklebte Pappfläche – lösen. Später dann bekam die Wand einen neuen grauen Anstrich und war damit wieder gesetzeskonform, aber nicht unbedingt schön.
Die jetzige, langfristig gedachte Variante hat da schon mehr Charme und startete als Idee im Kopf von Nadine Weyland: Warum, fragte sich die Lehrerin die Wand nicht einfach im Rahmen der nächsten Projektwoche an der Heinrich-Böll-Gesamtschule umgestalten und auf diese Weise die pädagogische und die gestalterische Fliege mit einer Klappe schlagen? Frau Weyland konnte sich zudem erinnern, dass das JKC von der Rheinischen Straße mit gemeinnützigen Graffiti-Workshops so einige Erfahrung hat.
Beim folgenden Netzwerken wurden sich die drei Beteiligten zügig handelseinig, und der Startschuss zur Projektwoche fiel an der Volksgartentraße am 22. Juni. Und so tummelten sich dann im hinteren Bereich des Lütgendortmunder Rewe-Parkplatzes tags drauf zahlreiche Achtklässler*innen, die ihre gemeinsam mit einer Künstlerin entwickelten Graffiti-Entwürfe Realität werden ließen. Nur, was das Design angeht, selbstverständlich: Beim Schriftzug führte am Namen des Marktes nachvollziehbarerweise kein Weg vorbei.
Frau Weylands Strategie jedenfalls ging auf: Gleichzeitig wurde ein unansehnliches Stück Mauer aufgehübscht, gemeinsam kreativ geworden und ein Projekt jenseits der Schulgrenzen verwirklicht.
Der letztendliche Nutzen war dann sogar noch ein wenig größer, durfte die Parallelklasse der Graffiti-Designer doch vor dem Eingang zum Supermarkt über den Verkauf von Waffeln und Grillwürstchen ihre Klassenkasse merklich aufbessern, um damit einen Ausflug zu finanzieren. Bei stark reduzierten Kosten, denn Grillgut und Brötchen hatte Mark Amshove der HBG-Truppe bei der Gelegenheit gleich auch noch zur Verfügung gestellt.

















