Mit „Artscenico“ geht es einem womöglich wie mit dem einen oder anderen Song im Autoradio: Irgendwie schon mal gehört, aber die richtige Zuordnung will dann doch nicht klappen. Und dabei handelt es sich bei der Dortmunder Theaterproduktions-Crew um alles andere als Newcomer: 1991 vom Regisseur, Autor und künstlerischen Paradiesvogel Rolf Dennemann ins Leben gerufen, war ein Büro in der Nordstadt seit kurz vor der Jahrtausendwende die Kommandozentrale der Künstlertruppe.
Eine feste Spielstätte wiederum existierte für „Artscenico“ weder dort noch anderswo, denn genau dies ist der spannende Ansatz der Theatermacher: Inszeniert und gespielt wird vorzugsweise im sog. „öffentlichen Raum“, also mehr oder minder mitten im Alltag der Menschen. „Man könnte sagen: Hat ein Ort eine besondere, unterschwellige Poesie, kommt er für uns infrage“, erläutert Berthold Meyer, der zum fünfköpfigen Artscenico-Kernteam gehört.
Ziemlich gut vorstellbar, dass das kreative Quintett solche poetischen Orte künftig häufiger Mal in Marten und Umgebung aufspürt, denn dort – genauer gesagt im alten Amtshaus an der Steinhammerstraße – ist man vor einem knappen Jahr vor Anker gegangen. Und weil es Artscenico mit einer neuen Inszenierung zwar durchaus auch schon mal ins europäische Ausland verschlägt, man aber auch das lokale Profil schärfen möchte, kreisen bereits mehrere feste Termine in der Martener Warteschleife:
- Da wäre zum Auftakt das Konzert der „vereinseigenen“ Band „Chilek“, die am 27. April ab 17.30 Uhr zu FolkPop in den Hochzeitssaal (!) des ZWAR-Gebäudes an der Steinhammerstr. 3 bittet.
- Am 15. Mai dreht sich bei „Gib mich die Kirsche“ am gleichen Ort ab 18 Uhr alles um König Fußball und einige seiner auf unterschiedliche Art besonderen Hauptdarsteller wie etwa George Best oder Stan Libuda. Geeignet, wie es auf der Artscenico-Website ausdrücklich heißt, „für Fans des FC Barcelona wie auch für die von Arminia Marten“. Vorgetragen werden die Anekdoten durch das langjährige Geierabend-Mitglied Hans-Peter Krüger sowie Schauspieler Maximilian Strestik.
- Genau der steht dann Ende Juni auch im Zentrum eines ungewöhnlichen Projekts, bei dem Artscenico einmal mehr eine „ganz normale Nachbarschaft“ zur Bühne umwandelt: Wer nämlich das Einpersonen-Stück „Mamator“ am 27. bzw. 28. Juni live erleben möchte, begibt sich nicht zu einer öffentlichen Spielstätte, sondern in den Garten des Hauses an der Martener Altenrathstraße 10. Dort, zwischen Tannen und Koniferen, entwickelt sich die „Hinterhoferzählung“ um einen Fußballfan und Welterklärer mit Stadionverbot.
Das Motive des Adolf-Winkelmann-Films „Nordkurve“ aufgreifende Manuskript ist zugleich die letzte kreative Arbeit des Anfang 2024 verstorbenen Vereinsgründers Rolf Dennemann.
Vorbestellt werden können die Karten für sämtliche Artscenico-Termine entweder online auf www.ticketree.de bzw. www.artscenico.de oder telefonisch unter 0175-1991323 bei Berthold Meyer. Sofern es noch ein Ticket- Restkontingent gibt, öffnet allerdings jeweils auch eine Abendkasse.
Flankieren möchten Martens „neue“ Kultur-Akteure ihre Live-Events gerne mit Workshops, die dann konsequenterweise mit Musik und / oder Theater zu tun haben werden. An Ideen jedenfalls mangelt es der umtriebigen Truppe offenbar nicht. Gut vorstellbar insofern, dass es den Menschen im Ort mit dem Begriff „Artscenico“ nicht mehr lange so gehen wird wie mit „diesem Song neulich im Radio“.

















