Im günstigen Falle verfügt ein Stadtteil über Menschen, die richtig Lust darauf haben, sich unbürokratisch einzubringen. Nicht fürs Ego, sondern aus Spaß daran, gemeinschaftlich etwas auf die Beine zu stellen. Bei den beiden Martenern Sigrid Ristow und Uwe Thielker dürfte dies der Fall sein, und “erschwerend“ kommt hinzu, dass sie gemeinsam am Voerstenhof eine Musikschule leiten – und Musik bekanntermaßen die besten Brücken schlägt. Ob also Adventsmarkt, Chorprojekt oder Karaoke-Aktion: Immer wieder ist das Duo in tragender Rolle mit von der Partie. Und Marten eines Tages mal den Rücken zu kehren: Diese Überlegung taugt im Hause Ristow & Thielker offenbar nicht mal als Gedankenspiel.
Seid ihr eigentlich schon euer Leben lang Martener? Oder seid ihr zwei „Zugereiste“?
Sigrid Ristow: Ich bin zwar in der Gneisenaustraße geboren, aber offenbar schon als Baby in Marten gelandet. Uwe ist in Lünen aufgewachsen.
Uwe Thielker: Genau, ich bin Wahl-Martener, allerdings auch schon richtig lange: Über 26 Jahre, wenn ich richtig rechne.
Und euer Engagement im Ort gibt es auch schon ziemlich lange, oder? Wie kam es eigentlich dazu?
Sigrid Ristow: Mein Vater, Peter Ristow, hat ja die Aktionen hier im Stadtteil schon früher sehr unterstützt, und ich war halt häufiger dabei und wurde Stück für Stück mehr eingebunden. Dann gab es ein paar Sachen – die Musikanlage aufbauen oder so –, die ich eher nicht konnte, die aber für Uwe als Pianist kein Problem waren. Wir sind also eigentlich einfach immer mehr in Aufgaben reingewachsen bzw. haben sie weitergeführt.
Uwe Thielker: In der Regel lief das nach dem Schema: „Hey, macht ihr da mit?“ – „Klar, machen wir!“ … und dann waren wir dabei. Das hat sich sozusagen alles organisch entwickelt.
Mit Peter Schiefelbein haben wir beispielsweise irgendwann auf dem Hof des Schulmuseums „Marten sucht den Superstar“ auf die Beine gestellt. Vieles waren auch ökumenische Aktionen der Kirchengemeinden: Der WDR hat zum Beispiel mal eine CD mit dem Kneipp-Kindergarten produziert, da waren wir auch mit von der Partie.
Wobei euer Stadtteil-Engagement in den letzten Jahren nochmal deutlich zugenommen hat, habe ich den Eindruck …
Uwe Thielker: Naja, durch die Unterstützungsarbeit – sei es für den Kindergarten oder auch Senioren im Ort – sammelt man natürlich Kontakte. Und dann kommt z. B. Frau Stokowy [Martener Ehrenamtlerin, insbesondere in Diensten des Familienzentrums] irgendwann auf einen zu und sagt: „Wir haben hier so ein Chor-Projekt, das wäre doch schön …“ Und so kommt eines zum anderen.
Außerdem spielt noch eine Rolle, dass wir als Musiker schon viel in der Welt rumgereist sind und deswegen ganz gut wissen, wie man ein Programm gestalten sollte, wie man eine Bühne dekorieren könnte oder was zu tun ist, damit der Ton „funktioniert“. Aus dem Grunde wurden uns solche Sachen – etwa bei „Marten im Advent“ – gerne übertragen, und die Angelegenheit ist immer mehr gewachsen.
Sigrid Ristow: Irgendwann wird man halt gefragt „Kannst du das wieder machen? – und ist damit sozusagen reingerutscht. Manche Ideen für Verbesserungen ergeben sich übrigens auch einfach. Wie bei dem Kind auf der Bühne von „Marten im Advent“, vor ein paar Jahren: Wir hatten da so kleine Geschenke als Deko liegen, und dann sahen wir, dass ein Mädchen anfing, eines davon „auszupacken“ … aber es war natürlich nichts drin. Das brachte uns auf den Gedanken, man könnte doch in Zukunft wirklich etwas einpacken und auf die Bühne stellen. Also haben wir eine kleine Sammelaktion gestartet, ein bisschen dazugekauft – und ab da durften die Kinder wirklich eine Kleinigkeit von der Bühne mitnehmen.
Und falls mal etwas schief geht? Könnt ihr mit Misserfolgen gut umgehen?
Uwe Thielker: Das können wir schon. Wir möchten natürlich immer alles so schön wie möglich hinkriegen. Aber vor allem soll es Spaß machen. Keine Riesen-Erwartungen – und dann einfach schauen, ob’s läuft.
Gibt es einen Ort hier in der näheren Umgebung, den ihr insbesondere mögt?
Sigrid Ristow: Wir sind gerne in Wischlingen. Da waren wir heute schon laufen, wir laufen morgens immer einmal ringsrum. Jede Menge Grün, der See: Das ist, so nah vor der Haustür, schon toll. Manchmal kommen übrigens auch die Kinder oder die Nichten mit!
Vielen Dank, dass ihr euch für uns Zeit genommen habt!

















