Es gibt ja diesen alten Spott-Spruch über politische Entscheidungsprozesse: „Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründe ich ‘nen Arbeitskreis“. Anders gesagt: Man kann sich gut auf der Theorie- und Planungs-Ebene verlieren, ohne sich der Tatsache zu stellen, dass entscheidend nun mal „auf’m Platz“ ist. Dieses Risiko mag noch weiter zunehmen, je mehr Köche im Topf rühren dürfen.
Ob es sich in der Sache „Martener Fahrradhändler“ auch so verhält, ist letztlich spekulativ. Dass man aber als Bürger des Orts vor dem Hintergrund all der mehr oder minder zuständigen Institutionen und Personen, all der im Laufe der letzten Jahre vollmundig angekündigten Forschungs- und Verschönerungsprojekte mitunter nur noch ungläubig den Kopf schüttelt, lässt sich nachvollziehen. Der Ertrag jedenfalls scheint gelegentlich übersichtlich.
Fakt zumindest ist: Wann immer die Hoffnungen der Martener – ihre Ortsentwicklung betreffend – abgefragt wurden, stand bis vor einigen Jahren „Fahrradladen“ immer weit oben auf der Wunschliste. Auch geförderte Forschungsprojekte mit exotischen Namen wie ZUKUR und KuDeQua durften dies erfahren, ließen die Menschen ihre Träume im Meilenstein an Pinnwände heften, erstellten Masterpläne für die Schublade und verabschiedeten sich anschließend auf Nimmerwiedersehen.
Das Schicksal andererseits meinte es hier anscheinend gut mit dem Ort, denn völlig ohne Zutun öffentlicher Player gingen die Wünsche der Einheimischen anno 2021 mit der Ansiedlung von „Dein Fahrrad“ an der Martener Straße plötzlich in Erfüllung. Gleichzeitig hätte nunmehr die Stunde der Marten-Unterstützer schlagen können, war das baldige Ende der neuen Fahrrad-Adresse aufgrund des beschlossenen Abrisses des ehemaligen Schiefelbein-&-Hartmann-Standortes doch von vornherein besiegelt.
Dieser Abriss ist mittlerweile längst über die Bühne gegangen, Laden-Inhaber Shadi Abdal Jwad indes hat mangels Alternativen einen Neustart im Unions-Viertel gewagt und unterstreicht: „In Marten hat mir von offizieller Seite niemand geholfen!“
Martens „Aktionsraumbeauftragter“ Rainer Mundt winkt auf entsprechende Nachfrage gleich ab: Nicht zuständig, bei seinem Anforderungsprofil gehe es vielmehr um die sozialen Belange Martens. Ansprechpartner seien insofern Quartierskoordination oder Wirtschaftsförderung.
Unstrittig ist in der Tat, dass der für Marten zuständige Teil der letzteren ab 2021 höchstpersönlich im Bilde war. Wenngleich keineswegs aufgrund eigener Recherche, sondern nach einem „Bürgerhinweis“. Auch Martens Quartierskoordinatoren trug man damals die Kunde vom Händler, der gerne im Ort bliebe, zu.
Anderes ist weit weniger klar: Wirtschaftsförderer Mesut Korkut etwa – mittlerweile zuständig für die nördliche Innenstadt – lässt wissen, er habe Shadi Abdal Jwad seinerzeit diverse Vorschläge gemacht, welche die finanziellen Möglichkeiten des Radhändlers aber leider überstiegen hätten. Der wiederum wundert sich über solch ein Statement und stellt dem entgegen: „Wir haben genau einmal telefoniert, ohne dass mir konkrete Angebote gemacht wurden. Danach gab es keinen Kontakt mehr.“
Die Quartierskoordinatoren wiederum beschränken sich nach Anfrage auf eine schriftliche Stellungnahme, in welcher sie den regelmäßigen Austausch mit der Wirtschaftsförderung betonen, bei dem es etwa auch um „die Identifikation von Leerständen im Stadtteil, Entwicklungen im Gewerbebereich oder allgemeine Anliegen aus dem Quartier“ gehe. Aber? „Ein konkreter Unterstützungsbedarf wurde gegenüber der Quartierskoordination im vorliegenden Fall nicht angezeigt.“ Was zum einen nur zutrifft, wenn ausschließlich direkte Wortmeldungen der Gewerbetreibenden zählen. Zum anderen darf die Frage gestellt werden: Sollte man, hauptberuflich für die Koordination eines Quartiers zuständig, wirklich nur nach konkreten direkten Impulsen von außen ins Handeln kommen? Immerhin ließen, siehe oben, die selbst initiierten Runden Tische und Online-Formate keinen Zweifel an genau diesem Bürgerwunsch.
Die Hoffnung einiger jedenfalls, vor Ort jenseits erstellter Konzepte und öffentlicher Marketing-Strategien mal von einem konkreten Einzelhandels-Impuls zu profitieren, ist wie die berühmte Seifenblase zerplatzt, Martens Fahrradhändler längst woanders fest vor Anker gegangen.
Und die Frage, ob „auf’m Platz“ für alle das maßgebliche Kriterium ist, bleibt unbeantwortet im Raum stehen.

















