Etliche Füchse tummeln sich in den Wäldern des Dortmunder Westens, und Rehe gibt es sowohl in der „Standardvariante“ als auch mit fast schwarzer Färbung. Aber Wildschweine? Davon wusste bisher noch niemand zu berichten. Seit dem 25. September und einem in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Post ist dies anders: Da tummeln sich in Nähe der Bövinghauser Dorfstraße gut sichtbar mehrere Jungtiere auf einem Acker. Und dies, bestätigt im Interview auch Kreisjägerschafts-Vorsitzender Jörg Tigges, ist für diesen Teil unserer Stadt eine waschechte Premiere.

„Bislang lebten wir“, führt er weiter aus, „in den allermeisten Regionen Dortmunds quasi auf der ‚Insel der Glückseligen‘, zurückzuführen auf die landschaftlichen Gegebenheiten: Blickt man von oben auf die Stadt, erkennt man gleich, dass weite Teile von Autobahnen eingefasst sind, die eine Art Barriere bilden. Lediglich in Syburg hatten sich vor einigen Jahren mal einige Wildschweine angesiedelt und sich den dortigen Golfplatz vorgenommen. Die werden dort unten jetzt mittlerweile aktiv von den Jägern bejagt, […] damit die Population nicht ausufert.“
Eine Besonderheit der Sichtung nahe der Bochumer Stadtgrenze sei nun, dass den dortigen Tieren offenbar die Mama fehle: „Eigentlich gibt es in einer Rottenstruktur immer eine ältere Bache, die genau vorgibt, was gemacht werden muss, und die Jungtiere orientieren sich daran. Diese alte Bache scheint hier zu fehlen – womöglich in Folge eines Wildunfalls. Die Folge ist Orientierungslosigkeit, die Wildschweine rennen erstmal durch die Gegend und gucken, wo es etwas zu fressen gibt. Und möglicherweise haben sie dort ja irgendwelche Küchenabfälle o. ä. gefunden. Die Tiere“, führt Tigges aus, „werden sich aber wieder zurückziehen, sobald es da kein hinreichendes Nahrungsangebot gibt.“ Grundsätzlich handele es sich bei Wildschweinen nämlich um sehr scheue Tiere.
Die ihr Dasein allerdings wie alle anderen Wildtiere im Falle des Falles unbehelligt auf dem Bövinghauser Acker ihrer Wahl fristen dürften: In sog. „befriedeten Bezirken“ nämlich, unterstreicht der Kreisjägerschafts-Chef, schreite ein Jäger niemals ein. Umfasst werden mit diesem Begriff u. a. sowohl menschliche Siedlungsflächen als auch Friedhöfe, Zoos, öffentliche Grünanlagen, Bahnanlagen und Bundesautobahnen. „Wenn die Tiere sich dort weiter aufhielten“, fügt Tigges an, „könnten sie alt werden, weil ihnen niemand an die Schwarte kann.“
Trotzdem müsse die kürzliche Sichtung niemandes Puls in die Höhe treiben. Küchenabfälle spätestens jetzt konsequent in der Tonne zu entsorgen, hält er trotzdem für eine gute Idee. „Es gibt ja diese Trüffelschweine“, illustriert Jörg Tigges das Gesagte, „die riechen Trüffel weit unter der Erde. Da kann man sich ungefähr vorstellen, was die wahrnehmen, wenn so eine Tüte mit Küchenabfällen irgendwo neben einer Mülltonne steht.“ Rat Nummer zwei – eigentlich der elementarste – lautet: „Das sind wild lebende Tiere, die fasst man nicht an, denen geht man aus dem Weg, wenn man sie sieht. Man geht ihnen aus dem Weg. Und ich würde Hunde an der Leine lassen, denn ein Wildschwein auf Hund: Ganz doofe Kombination, meistens zu Lasten des Hundes.“
Abgesehen davon handele es sich beim Schwarzwild jedoch um Fluchttiere, die das Weite suchten, sobald sie menschliche Witterung aufnähmen und man ihnen die Möglichkeit zur Flucht lasse.
Über Meldungen von weiteren Sichtungen – sei es an die Stadt, die Polizei oder die zuständige Jagdbehörde – sei man nichtsdestotrotz froh, denn es sei „durchaus interessant, zu beobachten, wo sich die Population hinverzieht“. Grund zur Aufregung aber gebe es auch vor dem Hintergrund der aktuellen Premiere nicht.

















