Gibt’s „Dorfpolizisten“ nicht nur noch im Fernsehen? Ist die Realität nicht immer weitaus unpersönlicher? Nicht bzw. nicht mehr, was Dortmunds Ortsteil Marten betrifft. Dort gibt es seit Anfang September wieder den klassischen „Beamten vor Ort“, und der ist zu allem Überfluss Martener mit Leib und Seele.
Wobei Michael Bahrs ohnehin kein Mensch für die halben Sachen ist. Viele Jahre lang für die Bochumer Kripo tätig – und in seiner Eigenschaft als Experte für das Thema „Wettmanipulationen“ sogar erfolgreicher Buchautor–, entschied der 53-Jährige 2025, seiner Karriere nochmal ein ganz anderes Kapitel hinzufügen zu wollen. „Darüber, dass einer nach so vielen Jahren die Uniform wieder anzieht, waren so einige Leute erstaunt“, gibt der im Hangeney Aufgewachsene schmunzelnd zu Protokoll. Heimat allerdings: Das ist für Michael Bahrs nun einmal hier und nirgendwo sonst. Und so fühlte es sich, fasst er zusammen, im Grunde „wie ein Sechser im Lotto an, beruflich an diesen Ort zurückzukommen.“
Für den Stadtteil und seine Menschen sieht er sich in der Rolle eines Dienstleisters: Als Ansprechpartner also, der den Leuten im Kontakt mit der Polizei ein gutes Stück ihrer Schwellenangst nimmt. Der Empfang in “seinem“ alten Viertel war jedenfalls offenbar ziemlich herzlich, und Netzwerk-Arbeit ist ohnehin eine von Bahrs Stärken. So gibt es schon jetzt Erste, die den neuen Einsatzbeamten wie einen alten Bekannten begrüßen. Der wiederum bleibt am Ball und beweist bei wöchentlichen „Sprechstunden“ donnerstags im Martener Meilenstein, dass es ihm ernst ist mit der Bürgernähe. „Die Menschen kommen zu mir mit Themen aller Art, von parkenden Autos über die Müllproblematik bis hin zur Sorge um die persönliche Sicherheit, wenn sie z. B. abends durch den Park gehen wollen. Und genau so soll es ja auch sein.“
Auch die allgemeine Entwicklung des Ortsteils über die letzten Jahre allerdings liege den Menschen immer wieder auf dem Herzen. „Da gibt es schon Unzufriedenheit“, bilanziert Michael Bahrs, „wobei eine meiner Aufgabe aber darin besteht, zu netzwerken, das eine oder andere zusammenzuführen und so vor Ort für ein bisschen mehr Zufriedenheit zu sorgen.“ Nichts mit „Dienst nach Vorschrift“ also, wobei sich diese aber ebenfalls auf dem Wochenplan findet. Heißt: Michael Bahrs ist selbstverständlich auch der Mann, der in Marten Haftbefehle vollstreckt oder – um ein angenehmeres Beispiel anzuhängen – sich um die Verkehrserziehung in Schulen und Kitas kümmert.
„Ich kenne“, verdeutlicht der 53-Jährige, „hier vermutlich jeden Strauch und jeden Ast. Entsprechend dankbar bin ich, diesen Karriereschritt ermöglicht bekommen zu haben. Schon allein aus moralischer Verpflichtung heraus möchte ich etwas zurückgeben.“
Spricht er und springt einen Moment später in seinen Dienstwagen: Diesmal ist es ausnahmsweise ein Einsatz im „fernen“ Eving aufgrund einer Bombenentschärfung. An Aufgaben besteht bei Martens neuem „Dorfpolizisten“ also augenscheinlich kein Mangel. Aber ebenso wenig an Motivation!
















