Der Heimatverein Bodelschwingh & Westerfilde ist seit vielen Jahren Ausrichter der Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Bodelschwingh an der den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht wird. Stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger von Bodelschwingh und Westerfilde legten Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann und der Vereinsvorsitzende des Heimatvereins Bodelschwingh & Westerfilde, Gerd Obermeit, einen Kranz am Mahnmal nieder. Nach der Begrüßung der Anwesenden durch Gerd Obermeit folgte die Ansprache des Bezirksbürgermeisters.
Es folgt eine kurze Andacht durch Pfarrerin Stephanie Lüders von der Evang. Noah-Kirchengemeinde. Musikalisch unterstützt und begleitet wurde die Veranstaltung durch den Bläserchor „367Hertz“ aus Oespel/Kley unter der Leitung von Roger Trost.
Ansprache von Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann zum Volkstrauertag 2025:
Am Volkstrauertag gedenken wir nicht nur der Gefallenen der beiden Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus. Wir gedenken auch der Opfer all der gegenwärtigen Kriege in der Welt und denken mitfühlend an die Menschen, die unter den Folgen dieser Kriege leiden.
Am 13. Oktober dieses Jahres wurden die letzten 20 noch lebenden Geiseln des Hamas-Überfalls vom 2023 an Israel übergeben. Ein Tag der Freude und des Wiedersehens nach mehr als zweijähriger Gefangenschaft für die Angehörigen, endlich ein Ende der Zeit der körperlichen Misshandlung, der Folter und des Hungers für die Entführten. Der 13. Oktober auch ein Tag der Freude für die Welt? Mit den 20 freigelassenen Geiseln wurden auch die Leichen von 4 Personen übergeben, die die Geiselhaft nicht überlebt haben. Die Körper von zig weiteren getöteten oder gestorbenen Geiseln fehlen weiterhin. Sie werden möglicherweise nie gefunden werden.
Zwischen Israel und der Hamas herrscht zurzeit zwar Waffenruhe und der Krieg in Nahost scheint erst einmal unterbrochen. Doch die Feuerpause scheint fragil. Das Bestreben einiger arabischer Nachbarländer Israel zu vernichten, scheint weiterhin zu bestehen und schwebt weiterhin wie ein Damoklesschwert über der Region. Angesichts der gewaltigen Zerstörungen im Gazastreifen und den vielen getöteten Palästinensern – Erwachsenen und Kindern – wird der Hass gegenüber Israel wohl nie zur Ruhe kommen.
In Gaza-Stadt sind 85% aller Gebäude beschädigt oder zerstört; in Rafah sind es auch etwa 80%. 55 Millionen Tonnen Schutt und Trümmer liegen aktuell im Gazastreifen; das sind 13x die Pyramiden von Gizeh. Doch trotz der Zerstörungen wagen sich viele Bewohner mit ihren Familien wieder zurück in ihre Heimatorte und müssen dort dann das ganze Ausmaß der Verwüstung erleben. So eine Waffenruhe ist fragil. Bleiben wir bei uns in Westeuropa, bleiben wir in unseren Breiten. Ein neuer Begriff macht die Runde, und was der andeutet, zeigt, dass die internationale Lage auch bei uns nicht mehr die gewünschte Stabilität verspricht.
Der Traum vom ewigen Frieden zu unseren Lebzeiten ist möglicherweise ausgeträumt. Hybrider Krieg: eine Kombination aus militärischen und nicht-militärischen Mitteln zeigt, dass die Grenzen zwischen Krieg und Frieden bewusst verwischt werden. Es geht um das, was wir seit Jahren auch hier bei uns erfahren – oder auch nicht erfahren – weil es eher versteckt abläuft: Cyberangriffe, gezielte Falschinformationen und Propaganda, Sabotage und wirtschaftlicher Druck, um den „Gegner“ zu destabilisieren, den Zusammenhalt zu schwächen und Entscheidungsfindungen zu lähmen. Dabei versucht der Angreifer oft seine eigene Identität zu verschleiern und leugnet jegliche Beteiligung. Die Drohnenangriffe auf kritische Infrastruktur kennen wir aus dem Ukraine-Krieg. Aber auch in Deutschland gab es in den letzten Monaten eine erhebliche Zunahme an nicht genehmigten Drohnenflügen insbesondere über Einrichtungen der Energieversorgung, über militärischen Anlagen und Flughäfen, was meist auch zu Flugverkehrsbehinderungen geführt hat.
Es ist zu befürchten, dass diese perfide Art der Kriegsführung noch an Ausmaß zunehmen wird und uns demnächst möglicherweise sogar noch stärker bedroht als jede Form der konventionellen Kriegsführung. Diese Entwicklungen zeigen, wie fragil auch hier bei uns der Frieden ist. Daher sollten wir dankbar sein für jeden Tag, den wir in Freiheit und Harmonie leben können. Vielen Dank!

















