Ein Fitness-Influencer filmt Kunden von Scheidings Lagerverkauf in Dortmund-Mengede und wird aufgrund ihres Aussehens beleidigend. Der Lagerverkauf reagiert mit einem eigenen Statement, unterstützt die betroffenen Kunden bei rechtlichen Schritten.
Sebastian Marquard ist in den sozialen Medien kein Unbekannter. Der Fitness- und Lifestyle-Influencer, der sich selbst als „Physiotherapeut, Unternehmer“ und „Rebell“ bezeichnet, veröffentlicht regelmäßig Videos mit Tipps und Meinungen zu Gesundheit und Fitness – daneben aber auch immer wieder Inhalte mit politischem Unterton, die für Aufsehen sorgen. Vor einigen Jahren war er zudem kurzzeitig kommunalpolitisch für die AFD in Herdecke aktiv .
Wie wenig zimperlich er dabei formuliert, zeigte sich auch in seinem jüngsten Video über Scheidings Lagerverkauf. Statt sich auf eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Sortiment zu beschränken, für das es sicherlich berechtigte Kritikpunkte gibt, bezeichnete er den Laden als „Laden voller Scheiße“ und sprach von „Bullshit“. Doch damit nicht genug, auch bei den Kunden selbst wurde er ausfällig: „Die Kunden hier sehen ungesund aus, viele fette Menschen“, kommentierte er im Video, über eine Kundin sagte er unter anderem: „Die Alte wiegt locker 200 Kilo.“ An anderer Stelle wird er noch deutlicher: „Wer so fett ist, dürfte hier nicht einkaufen gehen.“
Das Unternehmen, das neben seinem Standort in Dortmund-Oestrich auch eine Filiale in Recklinghausen betreibt, hat sich auf den Verkauf von Restposten spezialisiert: Waren, die zu Kampfpreisen angeboten werden, von Haushaltsartikeln und Deko bis hin zu jeder Menge Süßkram – Energy-Drinks, Zuckerlimonaden und Süßigkeiten gehören ganz selbstverständlich zum Sortiment eines klassischen Restpostenmarktes.
Genau daran entzündete sich Marquards Kritik. Er filmte Kunden, die ahnungslos im Laden einkaufen wollten, ohne dass diese davon wussten – und beleidigte einen Teil von ihnen unverpixelt aufgrund ihres Aussehens. Für Nadiem Bahjat, der die Social-Media-Kanäle des Lagerverkaufs betreut und zum Gesicht des Unternehmens im Netz geworden ist, war damit eine klare Grenze überschritten. Im Gespräch schildert er, wie das Team auf den Vorfall reagiert hat.
Kritik am Sortiment ja – persönliche Angriffe nein
Bahjat macht deutlich, dass Marquard sein Vorhaben nie angekündigt hatte: „Das Problem ist, er hat uns nicht Bescheid gegeben, dass er auf unserem Gelände filmt, beziehungsweise auch im Laden filmt.“ Vom Inhalt der Videos habe das Team erst erfahren, als es bereits online war. „Hätten wir den schon hier vor Ort gesehen, hätten wir ihn natürlich aufgehalten“, so Bahjat.
Besonders wichtig ist Bahjat dabei die Unterscheidung zwischen legitimer Kritik und dem, was Marquard tatsächlich getan hat. Dass jemand die im Laden angebotenen Produkte kritisch sieht, sei völlig in Ordnung, betont er ausdrücklich: „Kritik zu äußern gegenüber unserem Sortiment ist ja okay. Jeder kann sagen, was er will.“ Doch damit habe es sich Marquard nicht begnügt. Statt sachlich zu bleiben, sei er persönlich geworden: „aufs Äußerlichste unsere Kunden zu beleidigen und die runterzumachen aufgrund ihres Aussehens und sowas – ohne Zensur auch, ist für uns ein No-Go.“

Schnelle Reaktion
Das Team um Bahjat entschied sich, zeitnah mit einem eigenen Statement zu reagieren. „Wir haben uns einfach so kurz geäußert mal darüber. Und wollten auch sowas nicht stehen lassen“, erklärt er. Ausschlaggebend sei auch das enge Verhältnis zur Kundschaft gewesen: „Wir haben mit dem Kunden so ein familiäres Verhältnis. Und viele reisen auch von weit her, nehmen ein paar Kilometer auf sich, um bei uns einkaufen zu kommen.“
Das Statement erzielte am Ende sogar mehr Aufrufe als Marquards ursprüngliches Video – ein Umstand, den Bahjat pragmatisch einordnet: „Was aber auch okay ist, weil wir auch die Leute erreichen wollten, die halt im Video zu sehen sind.“
Betroffene Kunden schließen sich zusammen
Die Reaktionen aus der Kundschaft ließen nicht lange auf sich warten. Laut Bahjat hat sich mittlerweile so gut wie jeder gemeldet, der im Video zu erkennen war. Scheidings Lagerverkauf hat daraufhin selbst die Initiative ergriffen und ein gemeinsames Treffen mit den betroffenen Kunden für kommenden Samstag organisiert: „Wir wollen uns jetzt auch am Samstag treffen und wollen einfach mal das Ganze so besprechen.“ Dabei soll es nicht bei Gesprächen bleiben. Der Lagerverkauf plant, die betroffenen Kunden bei rechtlichen Schritten zu unterstützen – finanziell wie organisatorisch: „Wir wollen auch rechtliche Schritte einleiten und sind auch bereit, die ganzen Kosten dafür zu übernehmen.“

















